
Die Reaktion der Schweiz auf die kürzlich angekündigten US-Zölle von 31 Prozent auf Produkte aus der Schweiz ist zurückhaltend. Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter bekräftigte, dass die Schweizer Regierung vorerst auf Gegenmaßnahmen verzichten wird. Dies wurde sowohl als Möglichkeit zur Vermeidung von Handelskonflikten als auch zur Sicherung der wirtschaftlichen Stabilität des Landes der Öffentlichkeit präsentiert. Wie Merkur berichtet, hat die Schweiz im Jahr 2024 alle Industriezölle abgeschafft; 99 Prozent der Waren aus den USA können zollfrei importiert werden.
Die Entscheidung, keine Gegenmaßnahmen zu ergreifen, beruht auf einer Analyse der potenziellen Kosten für die Schweizer Volkswirtschaft. Während des Handelskonflikts könnten teurere Importe aus den USA die wirtschaftliche Stabilität beeinträchtigen. Dies führte den Bundesrat zu dem Entschluss, eine vertiefte Analyse der Zölle und deren Auswirkungen auf die Schweiz durchzuführen. Der Bundesrat sieht in einer Zunahme von handelspolitischen Spannungen keine Vorteile für die Schweiz.
Handelsbeziehungen im Fokus
Die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und den USA sind von großer Bedeutung. Die USA sind nach der EU der zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz. Der bilaterale Waren- und Dienstleistungshandel hat sich in den letzten 20 Jahren vervierfacht, was auf eine dynamische Entwicklung hinweist. Schweizer Exporte, insbesondere aus der chemisch-pharmazeutischen Industrie sowie dem Goldhandel, tragen maßgeblich zum Handelsüberschuss bei. Die Angaben des Bundesrats verdeutlichen die Rolle der USA als größtes Zielland für Schweizer Direktinvestitionen.
Ein detaillierter Blick auf die angekündigten Zölle zeigt, dass die Belastungen für Schweizer Exporte variieren: Ab dem 5. April 2025 werden Schweizer Exporte mit Zusatzzöllen von 10 Prozent belastet, gefolgt von weiteren 21 Prozent ab dem 9. April 2025. Zu den betroffenen Produkten zählen Maschinen, Uhren und landwirtschaftliche Güter. Davon sind vorerst allerdings keine Exporte aus der Pharmaindustrie betroffen, da separate Beschlüsse diesbezüglich angekündigt wurden.
Wirtschaftliche Aussichten und Reaktionen
Die Prognosen für die Schweizer Wirtschaft sind aufgrund der neuen Zölle kritisch. Experten erwarten unterdurchschnittliches Wachstum und warnen vor einer möglichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Entwicklung. Der Bundesrat plant, etwaige Gegenmaßnahmen sorgfältig abzuwägen, da diese verbunden mit zusätzlichen Kosten für die Volkswirtschaft wären. Im Moment bleibt die Schweiz jedoch in einem Dialog mit den betroffenen Branchen und den US-Behörden, um mögliche Lösungen zu erarbeiten.
Ed McMullen, ehemaliger US-Botschafter in der Schweiz, hat die Reaktion von Keller-Sutter gelobt und sieht weiterhin Potenzial für das Wachstum im Handel zwischen beiden Ländern. Angesichts der stabilen Handelsverhältnisse, der Bemühungen um offene Märkte und der Vermeidung von marktverzerrenden Subventionen, setzt der Bundesrat darauf, die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu bewahren und diversifizierte Handelsbeziehungen mit internationalen Partnern zu fördern.