
Nach dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien hat Russland seine militärische Präsenz in Libyen erheblich verstärkt. Aus der Region wird ein dynamischer Wandel im geopolitischen Gleichgewicht der Macht sichtbar, der nicht nur für Libyen, sondern auch für die europäische Sicherheit weitreichende Konsequenzen haben könnte.
Russland sucht jetzt nach neuen strategischen Standorten, nachdem die Zukunft seiner Militärpräsenz in Syrien unklar ist. Laut t-online hat das Land bereits in al-Khadim Fuß gefasst, von wo aus Söldner und Waffen zur Unterstützung des libyschen Generals Khalifa Haftar geliefert werden. Zusätzlich wurden dort militärische Anlagen zur Verfügung gestellt, die russischen Truppen einen erweiterten Einsatz in Afrika ermöglichen.
Unterstützung für Haftar
Die zügige Verlegung von militärischem Material und Personal aus Syrien nach Libyen ist ein zentrales Element des russischen Engagements. Mindestens 1.000 Söldner, vor allem aus der paramilitärischen Gruppe Wagner, wurden bereits nach Libyen verlegt. Diese Entwicklung wird von der Politik in Europa kritisch beobachtet.Die NZZ berichtete über die steigenden Zahl von Lufttransporten, die täglich Material und Ausrüstung in die Region bringten, einschließlich Radargeräten und Luftabwehrsystemen.
Die Unterstützung Haftar’s durch Russland hat auch das Ziel, die international anerkannte Regierung in Tripolis zu destabilisieren. Mit einem festeren Standbein in Libyen will Russland seine Einflussnahme in Nordafrika und dem Sahel ausbauen. Politische Umbrüche in Nachbarländern wie Mali, Niger und Burkina Faso bieten hierfür zahlreiche Möglichkeiten.
Besorgnis in Europa
Die NATO und insbesondere Italien zeigen sich besorgt über die zunehmende russische Militärpräsenz im Mittelmeerraum. Verteidigungsminister Guido Crosetto äußerte: „Die Aktivität russischer Schiffe und U-Boote im Mittelmeer ist alarmierend.“ Diese Entwicklung könnte nicht nur die europäische Energiesicherheit gefährden, sollte Libyens Öl- und Gasressourcen unter russischen Einfluss geraten, sondern auch die Migrationsströme steigern.
Im Jahr 2023 machten die Erdgasimporte aus Libyen knapp 1% der gesamten europäischen Importe aus, was die strategische Bedeutung der Region für den Kontinent unterstreicht. Experten warnen davor, dass ein weiterer Verlust der Kontrolle über Libyen durch westliche Staaten den Einfluss Russlands in Afrika festigen könnte. Laut SRF könnte der unparteiische Zugang Russlands zu beiden Konfliktparteien im Sudan und dessen Rohstoffen eine weitere Quelle der Besorgnis darstellen.
Die Situation bleibt angespannt und zeigt, wie geopolitische Veränderungen in einer Region weitreichende Folgen für die Stabilität und Sicherheit anderer Länder haben können, insbesondere für Europa. Russland wird während es seine militärische Präsenz in Libyen ausdehnt, sicherstellen müssen, dass die fragile politische Situation nicht weiter destabilisiert wird – eine Herausforderung, die beidseitige politische und militärische Überlegungen erfordert.