
Am 6. Januar 2025 sind die Koalitionsverhandlungen in Österreich zwischen der ÖVP, der SPÖ und den NEOS endgültig gescheitert. Dies folgt auf einen mehr als dreimonatigen Prozess nach der Nationalratswahl im September, bei der die FPÖ als stärkste Kraft hervorging. NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger informierte die anderen Parteien sowie den Bundespräsidenten über den überraschenden Rückzug ihrer Partei. Sie begründete diesen Schritt mit einem fehlenden Reformwillen und einer mangelnden gemeinsamen Vision unter den Volksparteien
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Die ÖVP und die SPÖ führten die Gespräche nach dem Rückzug der NEOS ohne einen klaren Erfolg fort. Schließlich kam es zum Rücktritt von ÖVP-Chef Karl Nehammer, der als Kanzler abtrat und Christian Stocker als neuen Parteivorsitzenden nannte. Die politische Situation bleibt angespannt, da es nun nur zwei Optionen gibt: Neuwahlen oder die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der FPÖ, was von den anderen Parteien abgelehnt wird.
Wahlen und neue Herausforderungen
Die Nationalratswahl, die am 29. September stattfand, brachte bedeutende Veränderungen mit sich. Die FPÖ erhielt 28,85% der Stimmen und stellte damit 57 Mandate, während die ÖVP auf 26,3% (51 Mandate) und die SPÖ auf 21,1% (41 Mandate) kam. Die NEOS erreichten 9,1% und bildeten zusammen mit den Grünen (8,2%, 16 Mandate) die Opposition. Ziel der Koalitionsverhandlungen war, die FPÖ von der Macht fernzuhalten und eine stabile Regierung zu bilden. Diese Bemühungen scheiterten jedoch an der Fragestellung eines neuen Haushalts in Zeiten Wirtschaftskrise, die drängende Sparmaßnahmen erforderte, um die EU-Kriterien zu erfüllen.
Robert Habeck, der Grünen-Kanzlerkandidat in Deutschland, kommentierte die gescheiterten Verhandlungen. Er forderte die Parteien auf, im Wahlkampf gemeinsame Werte zu suchen und warnt vor einem Schwarz-Weiß-Denken. „Kompromisse sind notwendig, um eine stabile Regierung zu bilden“, so Habeck. Die Frage bleibt, wie die Volksparteien mit der Situation umgehen, insbesondere nach der Bundestagswahl am 23. Februar, bei der Zugeständnisse von allen Parteien nötig sein werden.
Politische Rückendeckung und Umfragen
Aktuelle Umfragen zeigen die Grünen mit 13% Wählerzustimmung, hinter der CDU/CSU (31%), AfD (20%) und der SPD (16%). Die Rolle der Grünen als möglicher Bündnispartner für die Union wird betont, während CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz eine Koalition mit den Grünen nicht ausschließt, auch wenn Differenzen bei der Energiewende bestehen.
Die politische Landschaft in Österreich ist durch die gescheiterte Regierungsbildung und die Möglichkeit neuer Wahlen stark verändert worden. Die kommenden Tage und Wochen werden entscheidend sein für die Entwicklung der politischen Situation und die Frage, wie die Parteien reagieren werden.
Die Ereignisse in Österreich sind nicht nur für die nationale Politik von Bedeutung, sondern werfen auch ein Licht auf den Zustand der politischen Kultur in Europa. Die Suche nach tragfähigen Lösungen und die Fähigkeit zum Kompromiss stehen im Zentrum der aktuellen Herausforderungen.