
In Österreich eskaliert die Regierungsbildungskrise, die durch das gerade stattfindende Umdenken innerhalb der politischen Landschaft ausgelöst wurde. Die rechtsextreme Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) könnte erstmals den Bundeskanzler stellen. Dies ist das Ergebnis gescheiterter Koalitionsgespräche anderer Parteien, die versucht haben, die FPÖ von der Regierungsbildung auszuschließen. Politikwissenschaftler Peter Filzmaier bezeichnet die Situation als Glaubwürdigkeitsdesaster, insbesondere für die konservative Österreichische Volkspartei (ÖVP) und das allgemeine Image der Politik in Österreich. Die ÖVP hat ihre Strategie und Rhetorik grundlegend geändert, was die politische Gemengelage zusätzlich kompliziert.
Nach der Parlamentswahl im September, bei der die FPÖ mit knapp 29 Prozent der Stimmen gewann, erteilte Bundespräsident Alexander Van der Bellen der Partei den Auftrag zur Regierungsbildung. Dies geschah nach einem Treffen mit FPÖ-Chef Herbert Kickl. Van der Bellen betonte die Notwendigkeit, in der aktuellen wirtschaftlichen Lage eine arbeitsfähige Regierung zu schaffen und verwies auf die gescheiterten Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP und SPÖ sowie den Bruch der Gespräche mit den NEOS.
Die Herausforderungen der Regierungsverhandlungen
Die FPÖ und ÖVP stehen vor einer Vielzahl von Hindernissen, was die Bildung einer neuen Regierung angeht. Ein zentrales Thema ist die Budgetsanierung, da eine FPÖ-ÖVP-Regierung auf die Zustimmung von Teilen der Opposition angewiesen wäre, um ihre Vorhaben umzusetzen. Dazu wird die FPÖ Entlastungen wie die Senkung der Körperschaftssteuer und der Lohnnebenkosten fordern. Bisherige Ankündigungen zu Verwaltungsreformen bleiben vage, was auf eine zögerliche Umsetzung solcher Projekte hinweist.
Ein weiteres Problem könnte darin bestehen, dass die FPÖ unter Kickl zwar symbolische Projekte umsetzen möchte, jedoch gleichzeitig mit vielen Wählern konfrontiert ist, die unter finanziellen Herausforderungen leiden. Auch die Kernprojekte der Grünen wie die CO2-Steuer und der Klimabonus scheinen bereits verloren. Politische Berater warnen, dass das Vertrauen in die Politik durch die gegenwärtigen Umstände weiter geschädigt wird.
Ein Blick in die Zukunft
Die politische Atmosphäre ist von Protesten geprägt, da Hunderte Demonstranten vor dem Präsidentenpalais versammelten, um vor einem potenziellen Rechtsruck zu warnen. Obwohl eine Einigung zwischen der FPÖ und der ÖVP auf ein Regierungsprogramm noch aussteht, halten Experten eine solche Entwicklung für sehr wahrscheinlich – die Wahrscheinlichkeit wird auf 90 Prozent geschätzt. Es gibt Übereinstimmungen in den Bereichen Migration und Steuern, jedoch bleiben Differenzen in der Außen- und Sicherheitspolitik bestehen.
Besonders wichtig wird, wie die FPÖ bei der Umsetzung ihrer politischen Agenda die Herausforderungen der EU-Politik und mögliche Auswirkungen auf Österreichs Neutralität in den internationalen Beziehungen meistert. Zudem hoffen sowohl die FPÖ als auch die ÖVP auf ein Nachlassen der EU-Sanktionen gegen Russland, was zusätzliche Komplikationen mit sich bringen könnte. Ob die Gespräche zwischen FPÖ und ÖVP fruchtbar verlaufen, bleibt abzuwarten, doch der Druck auf die Parteien, Lösungen zu finden, wächst täglich.
Ein klarer Konsens in der aktuellen politischen Lage ist unerlässlich, um die Stabilität in Österreich langfristig zu sichern. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein für die Frage, ob die FPÖ tatsächlich an der Regierung beteiligt wird und welche Richtung die österreichische Politik einschlagen wird.
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