MedienStudie

Thilo Mischke: ARD zieht überraschend die Notbremse bei „ttt“-Moderation!

Thilo Mischke wird nicht Moderator des ARD-Kulturmagazins „ttt“. Die Entscheidung fiel nach wachsender Kritik an seinen früheren Äußerungen und einem offenen Brief von Kulturschaffenden.

Thilo Mischke wird nach massiver Kritik nicht Moderator des ARD-Kulturmagazins „ttt – titel, thesen, temperamente“. Berichten der Süddeutschen Zeitung und der Deutschen Presse-Agentur zufolge, hatte die ARD ursprünglich angekündigt, dass Mischke ab Mitte Februar zusammen mit Siham El-Maimouni die Moderation übernehmen sollte. Seine erste Sendung war für den 16. Februar, im Rahmen der Berlinale, geplant. Trotz dieser Ankündigung hat sich die Situation durch die jüngste Welle der Kritik drastisch verändert.

Im Vorfeld der Personalentscheidung war Mischke bereits umstritten. Kritiker, darunter zahlreiche Kulturschaffende, hatten in einem offenen Brief vor der ARD gewarnt, dass seine Präsenz schädlich für das Format sei. Die Opposition gegen Mischke gründete sich auf seine frühere Publikation „In 80 Frauen um die Welt“ aus dem Jahr 2010, in der er sich mit kontroversen Themen auseinandersetzte. Unter den Kritikern befand sich auch eine Gruppe von Kulturschaffenden, die ihre Kooperation mit ihm aufgrund seiner früheren Äußerungen, die als sexistisch wahrgenommen wurden, verweigerten.

Kritik und Rückzug

Obwohl die ARD anfangs an Mischke festhielt und betonte, dass „ttt“ gegen Sexismus und Rassismus stehe, wurde die Kritik zunehmend lauter. Die Unterzeichner des offenen Briefs werfen ihm vor, sich nicht ausreichend mit seinen eigenen Äußerungen auseinanderzusetzen. ARD erklärte, Mischke habe sich selbstkritisch mit den Vorwürfen auseinandergesetzt und sich sogar entschuldigt. Auf dem offiziellen Instagram-Profil von „ttt“ wurde um Geduld gebeten, um die Angelegenheit aufzuarbeiten.

ProSieben, wo Mischke bekannt wurde und als Reporter tätig ist, stellte sich hinter ihn und kritisierte die öffentliche Reaction. Der Sender kündigte an, weiterhin mit Mischke zusammenzuarbeiten und ihn gewünschten Reportagen die Plattform zu geben. Mischkes Rolle als Moderator wurde jedoch spürbar hinterfragt, was die Diskussion über Geschlechterbilder und Medienpräsenz anheizte.

Medien und Geschlechterfragen

Die Debatte um Mischke fügt sich in einen breiteren Diskurs über Geschlechterdarstellungen in den Medien ein. Historisch betrachtet wird seit den 1970er-Jahren eine stereotype Darstellung von Frauen kritisiert. Die Studie „Die Darstellung der Frau und die Behandlung von Frauenfragen im Fernsehen“ von Erich Küchenhoff gilt als Grundstein der Frauen- und Geschlechterforschung in der Kommunikationswissenschaft. Auch spätere Forschungen, darunter eine Untersuchung von Elizabeth Prommer und Christine Linke, bestätigen, dass Frauen, insbesondere ab 30, im deutschen Fernsehen stark unterrepräsentiert sind.

Eine weiterhin bestehende Disbalance zeigt sich in den Medien: Während in der Sportberichterstattung ungefähr 86% der Journalisten Männer sind, kämpfen Frauen nach wie vor ums Sichtbarwerden in Führungspositionen und als Experten. Die „gläserne Decke“ bleibt ein zentrales Hindernis. Dies wird zusätzlich durch den Umstand erschwert, dass Frauen mit Migrationshintergrund nur etwa 5% der Journalistinnen ausmachen, obwohl ihr Anteil in der Gesamtbevölkerung bei 20% liegt, was die Herausforderungen für Diversität und Geschlechtergerechtigkeit in den Medien unterstreicht.

Die aktuellen Entwicklungen rund um Thilo Mischkes angestrebte Moderation von „ttt“ sind somit nicht nur eine Personalfrage, sondern sie reflektieren auch die Herausforderungen, die auf den Medienbereich hinsichtlich Geschlechtergerechtigkeit zukommen. Feministische Netzöffentlichkeiten suchen nach Wegen, stereotype Darstellungen zu hinterfragen und die Öffentlichkeit für diese Themen zu sensibilisieren.

Referenz 1
www.ksta.de
Referenz 2
www.tagesspiegel.de
Referenz 3
www.bpb.de
Quellen gesamt
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