
Das Stockacher Narrengericht ist zurück und präsentiert sich mit frischem Elan zur Fastnachtssaison. Nach zwei Jahren der Coronapause wird die traditionsreiche Veranstaltung am Schmotzigen Dunschtig, dem 27. Februar, um 20.15 Uhr im SWR Fernsehen ausgestrahlt. Diese Rückkehr auf den gewohnten Sendeplatz hat Narrenrichter Jürgen Koterzyna während der Dreikönigssitzung bekanntgegeben. Im Vorjahr, als die Verhandlung um 21.15 Uhr stattfand, führte die Verschiebung auf ein neues Format zu gemischten Zuschauerzahlen im SWR. Während die Sendung „Fasnacht im Südwesten“ 275.000 Zuschauer erreichte, konnte das Narrengericht um 21.15 Uhr mit starken 374.000 Zuschauern und einem Marktanteil von 8,6 Prozent gegensteuern
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Die Einschaltquoten stehen derzeit noch auf der Kippe, insbesondere da die Verhandlung dieses Jahr gegen Julia Klöckner angesetzt ist. In der Vergangenheit war das Narrengericht ein massiver Zuschauererfolg, mit dem Höhepunkt im Jahr 2020, als die Verhandlung gegen Cem Özdemir einen Marktanteil von 13,5 Prozent erzielen konnte. Auch in diesem Jahr hofft man auf ähnliche Resonanz und Spannung.
Prominente Angeklagte und ihre Strafen
Ein weiteres Highlight des Narrengerichts war die jüngste Verhandlung gegen den Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Kubicki. Am „Schmotzigen Dunschtig“ wurden ihm zahlreiche Anklagepunkte gemacht. Die Vorwürfe reichten von sexistisches Verhalten und Intrigantentum bis hin zur Gefährdung der politischen Kultur. Vor ausverkauftem Publikum musste Kubicki eine Strafe von 210 Litern Wein zahlen und eine Runde Champagner sowie Austern für die Narren ausgeben.
Trotz der schweren Vorwürfe wies Kubicki die Anschuldigungen humorvoll zurück und hielt an seiner unbeschwerten Identität als Ehemann fest. Er wurde jedoch für schuldig befunden in der Kategorie Gefährdung der politischen Kultur und zusätzlich dazu verurteilt, als Eintänzer für die Stockacher Narrenfrauen zurückzukehren. Er erschien hierfür in einem dunklen Anzug und Krawatte, ohne die übliche närrische Verkleidung.
Die kulturelle Bedeutung der Fastnacht
Das Stockacher Narrengericht hat eine lange Tradition, die bis ins Jahr 1351 zurückreicht. Die Fastnachtsfeierlichkeiten, zu denen auch das Narrengericht gehört, sind tief im kulturellen Gefüge Deutschlands verwurzelt. Sie stammen aus jahrhundertealten Bräuchen, die mit der christlichen Fastenzeit verknüpft sind. Zu dieser Zeit galt es, verderbliche Lebensmittel zu verbrauchen, bevor die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern begann. Die Fastnacht, oft mit ausgelassenen Feiern und politischer Satire verbunden, findet jährlich am Donnerstag vor dem Aschermittwoch, auch Weiberfastnacht genannt, ihren Höhepunkt.
Mit der Anerkennung als immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO im Jahr 2014, sind die Bräuche der Fastnacht sowie der rheinische Karneval heute ein bedeutender Teil des kulturellen Erbes. Die Feierlichkeiten dienen nicht nur der Belustigung, sondern fördern auch den sozialen Zusammenhalt und spiegeln oft die gesellschaftlichen Strömungen wider.
Das Narrengericht und seine Tradition sind somit nicht nur eine Facette des schwäbisch-alemannischen Fasnachtsbrauchtums, sondern auch ein Beispiel für die politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung, die in der Fastnachtszeit sichtbar wird.
Für weitere Informationen darüber, wie die Fastnacht seit Jahrhunderten Traditionen und soziale Strukturen durchbricht, und um mehr über ihre Ursprünge zu erfahren, bietet National Geographic interessante Einblicke.
Das Narrengericht ist ein wichtiger Bestandteil der Fastnachtskultur, und sowohl die Narrenrichter als auch die Gäste freuen sich auf eine lebendige und kritische Verhandlung in diesem Jahr. Die Zuschauer können sich auf eine unterhaltsame Sendung freuen, die das Beste aus Tradition und Humor vereint.
Lesen Sie mehr über die Rückkehr des Stockacher Narrengerichts auf Südkurier oder erfahren Sie aus SWR mehr über die Ereignisse rund um Wolfgang Kubicki.