
In Italien dürfen schwule Männer ab sofort Priesteranwärter werden. Diese Entscheidung wurde von der Italienischen Bischofskonferenz (CEI) getroffen und mit Zustimmung des Vatikans am Donnerstag verkündet. Die neuen Regelungen stellen einen wesentlichen Wandel in der katholischen Kirche dar, die bisher Homosexuelle grundsätzlich vom Priestertum ausgeschlossen hatte. Diese Entscheidung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die katholische Kirche in Italien unter einem signifikanten Priestermangel leidet.
Die neue Richtlinie erlaubt die Aufnahme von homosexuellen Männern in Priesterseminare, jedoch unter bestimmten Bedingungen. So sind „praktizierende Homosexuelle“ von der Ausbildung ausgeschlossen. Außerdem dürfen Männer mit „tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen“ oder solche, die eine „homosexuelle Kultur unterstützen“, nicht in die Seminare aufgenommen werden. Diese Regelung zeigt, dass die offizielle Kirchenlehre weiterhin ablehnend gegenüber gleichgeschlechtlichen Handlungen bleibt.
Hintergrund und Kontext
Papst Franziskus hat sich zwar für eine inklusivere Kirche eingesetzt, doch seine Haltung zu homosexuellen Männern in Priesterausbildungsstätten war bislang ambivalent. Im Jahr 2013 äußerte sich der Papst positiv über Schwule, die den Glauben suchen, während er im Juni 2023 erneut forderte, keine offenen Homosexuellen in die Seminare aufzunehmen. Dies führte zu erheblicher Kritik und schließlich zu einer Entschuldigung des Papstes, wie t-online.de berichtet.
Die Entscheidung der Bischofskonferenz ist unter den aktuellen Gegebenheiten zu betrachten. Laut Spiegel war ein Motiv für diese Regulierung der alarmierende Priestermangel in Italien. In den letzten 13 Jahren ist die Zahl der Priester um 11 % gesunken, was auch dazu geführt hat, dass rund ein Drittel der etwa 25.600 katholischen Gemeinden keinen eigenen Pfarrer hat.
Wichtige Aspekte der neuen Regeln
Die neuen Richtlinien betonen, dass die homosexuellen Neigungen im Kontext der gesamten Persönlichkeit des Kandidaten betrachtet werden sollen. Dabei bleibt der Geschlechtsverkehr sowohl für homosexuelle als auch für heterosexuelle Seminaristen tabu. Erwähnenswert ist, dass an den Priesterseminaren nun auch offene Diskussionen zum Thema Sexualität und persönliche Reifung gefördert werden sollen, was als Fortschritt angesehen werden kann. In den vorangegangenen Richtlinien des Vatikans von 2016 waren „praktizierende Homosexuelle“ ausgeschlossen.
Die italienischen Bischöfe betonen, dass diese Entscheidung nicht nur eine Erweiterung der Zugangsregeln darstellt, sondern auch die Begleitung und Reifung der persönlichen Sexualität während der Ausbildung an der Priesterschaft in den Mittelpunkt rückt. Die Bischofskonferenz hofft, dass diese neuen Richtlinien zur Unterscheidung der Kandidaten beitragen und eine authentische Entwicklung ermöglichen, auch im Kontext der heutigen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie auf katholisch.de ausgeführt wird.