
US-Präsident Donald Trump hat kürzlich angekündigt, neue Zölle von 25 Prozent auf Importautos einzuführen, um den europäischen Markt für US-amerikanische Automarken zu öffnen. Diese Maßnahme hat jedoch auf Expertenmeinungen gestoßen, die die Annahme widerlegen, dass Zölle die Hauptursache für das schwache Abschneiden US-amerikanischer Autoproduzenten in Europa sind. Laut Weser Kurier erläutert der Branchenexperte Stefan Bratzel, dass es vor allem die Produkte selbst sind, die bei europäischen Verbrauchern auf wenig Gegenliebe stoßen.
In den letzten Jahren ist die Kluft zwischen den Verkaufszahlen von US-Fahrzeugen und europäischen Herstellern deutlich geworden. 2022 wurden fast 450.000 Autos aus Deutschland in die USA exportiert, während nur 136.000 US-Fahrzeuge ihren Weg in die EU fanden. Laut dem derzeitigen Zollsystem erheben die USA nur 2,5 Prozent Zoll auf Pkw aus Europa, während die EU einen Zuschlag von 10 Prozent auf US-Fahrzeuge erhebt. Dieser Unterschied wird unter Experten als nicht maßgeblich für die aktuellen Verkaufszahlen erachtet.
US-Fahrzeuge in Europa: Unverkäuflich?
Ferdinand Dudenhöffer, ein angesehener Branchenanalyst, führt weiter aus, dass US-Autos in Europa kaum nachgefragt werden. Der Grund liege nicht allein in den Zöllen, sondern vor allem in der Unangepasstheit der Modelle an den europäischen Markt. Die Größe und der hohe Benzinverbrauch vieler US-Modelle sind für europäische Käufer unattraktiv. Der Ford F-150, das meistverkaufte US-Modell, wird in Europa beispielsweise nicht offiziell angeboten, was einen weiteren Beleg für diese Behauptung darstellt.
US-Hersteller haben es zudem versäumt, konkurrenzfähige Klein- und Kompaktwagen anzubieten, die in Europa gefragt sind. Diese Verzögerungen führen zu einer verzweifelten Situation, bei der Dudenhöffer betont, dass Zölle an der momentanen Marktentwicklung nichts ändern können, solange die Modelle nicht den Kundenwünschen entsprechen.
Folgen der Zollpolitik für die Automobilindustrie
Zusätzlich zu den neuen Zöllen auf europäische Autos hat Trump auch Zölle auf Fahrzeugimporte aus Mexiko, Kanada und China angedeutet. Dies wirft Fragen auf hinsichtlich der strukturellen integrierten Fertigung der Automobilindustrie in den USA. Im Jahr 2023 wurden 16,1 Millionen leichte Fahrzeuge in den USA verkauft, von denen 61 Prozent lokal produziert wurden. Diese Zahlen zeigen einen leichten Rückgang des Anteils lokal produzierter Fahrzeuge im Vergleich zu 2023, was zusammen mit der gestiegenen Anzahl von Fahrzeugen aus Mexiko, das fast 14 Prozent des Gesamtmarktes einnimmt, besorgniserregend für die heimische Industrie ist. Hierzu liefert Motor1 wertvolle Einblicke.
Die deutsche Automobilindustrie sieht sich daher gezwungen, auf die steigenden Zölle zu reagieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine mögliche Strategie könnte darin bestehen, die Produktion in die USA zu verlagern. Diese Verlagerung verlangt jedoch erhebliche Investitionen und hohe Anstrengungen, was laut Deloitte angesichts der ungewissen Zukunft der Zollpolitik als riskant eingestuft wird.
In den nächsten Jahren könnte dies auch zu einem möglichen Stellenabbau in der deutschen Fahrzeugproduktion führen. Die Unsicherheit über den Einfluss der Zölle und die Notwendigkeit, globalen Strategien anzupassen, stellen große Herausforderungen für die Branche dar. Diese Entwicklungen erfordern ein effektives Hochlaufmanagement, um den zollbedingten Herausforderungen zu begegnen und die Qualität der Produkte zu sichern, um weiterhin gegen den Wettbewerb bestehen zu können.