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Gedenken in Thüringen: 15 ermordete Arbeiter von Mechterstädt geehrt

Am 3. April 2025 gedenken Vertreter der Universität Marburg und der Stadt Ruhla der Morde von Mechterstädt von 1920, bei denen 15 Arbeiter durch Studenten erschossen wurden. Eine Gedenktafel erinnert an die Geschehnisse und die Verantwortung der damals beteiligten Institutionen.

Am 3. April 2025 fand in Thüringen eine Kranzniederlegung zum Gedenken an die Morde von Mechterstädt statt. Diese tragischen Ereignisse ereigneten sich am 25. März 1920, als 15 Männer von Mitgliedern des Marburger Studentenkorps erschossen wurden. Unter den Anwesenden waren unter anderem Prof. Dr. Hans-Jörg Lessig, Stadtrat von Ruhla, sowie Stefan Hartung, Bürgermeister von Ruhla, und Michael Heiny von der Geschichtswerkstatt Marburg. In einer bewegenden Zeremonie wurden die Namen der ermordeten Arbeiter verlesen: Ernst, Karl und Heinrich Füldner, Albert und Karl Schröder, Otto und Gustav Soldau, Reinhold Steinbeg, Alfred Rößinger, Alexander Hartmann, Otto Patz, Gustav Wedel, Rudolf Rosenstock, Paul Döll und Karl Hornschuh.

Der Vorfall gilt als eines der düstersten Kapitel der Weimarer Republik und wird als „Morde von Mechterstädt“ oder auch als Massaker von Mechterstädt bezeichnet. Nach dem gescheiterten Kapp-Putsch in Berlin, der am 13. März 1920 begann, kam es zu einem bewaffneten Konflikt in Thüringen, in dessen Folge das Studentenkorps Marburg mobilisiert wurde. Diese Gruppierung von etwa 1.800 Studenten war ursprünglich zur Verteidigung der rechtmäßigen staatlichen Ordnung gegründet worden, geriet jedoch in die Kontroversen des politischen Extremismus. Die Studenten waren aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt und wurden, auf Geheiß von Reichswehrminister Gustav Noske, mit Waffen ausgestattet, um gegen vermeintliche kommunistische Aufstände zu kämpfen.

Hintergründe und Auslöser

Am 24. März 1920 besetzte ein Kommando des Studentenkorps die Gemeinde Thal, wo sie insgesamt 40 Männer festnahmen. Davon wurden 25 Männer nach Verhören wieder freigelassen, während 15 als Rädelsführer gegen die wiederhergestellte staatliche Ordnung angesehen wurden und in Haft blieben. Am nächsten Morgen, dem 25. März, wurden diese 15 Männer auf dem Weg nach Gotha während ihrer „Transportierung“ kaltblütig erschossen. Laut Zeugenaussagen geschah dies „im Zuge eines Fluchtversuchs“ der Gefangenen, was jedoch äußerst umstritten ist.

Der Vorfall erregte großes Aufsehen in der Gesellschaft. Während die politische Linke sowie die demokratische Mitte den Mord vehement verurteilten, fanden konservative Kreise den Einsatz der Studenten als gerechtfertigte Abwehr eines angeblichen revolutionären Aufstands. Auf die Erschießungen folgten Arbeiterunruhen, insbesondere in Ruhla, wo die Besorgnis gegenüber den gewaltsamen Methoden des Studentenkorps wuchs.

Rechtsfolgen und gesellschaftliche Reaktionen

Die rechtlichen Konsequenzen für die Täter waren minimal. Sowohl das Kriegsgericht der 22. Division als auch das Schwurgericht in Kassel sprachen die angeklagten Studenten, insgesamt 14 in der Hauptverhandlung, nach nur wenigen Tagen mangels Beweises frei. Dies wurde von der Öffentlichkeit als politischer Skandal wahrgenommen und führte zu tiefen Rissen im Bild Marburgs als studentisches Idyll. Kritische Stimmen, darunter die von Ernst Lemmer, einem Studenten, forderten eine gründliche Untersuchung der Vorfälle.

Kurt Tucholsky, der die Prozesse beobachtete, verfiel in seinen Schriften auf die Instabilität und die Probleme der Weimarer Republik. Eine Darstellung der Geschehnisse fand auch in dem „Marburger Studentenlied“ ihren Ausdruck.

Zur Erinnerung an die Morde wurden im Laufe der Jahre verschiedene Gedenkstätten ins Leben gerufen, unter anderem ein Gedenkstein in Thal und an der Bundesstraße 7 zwischen Mechterstädt und Teutleben. Im Jahr 2019 wurde eine Gedenktafel an der Alten Universität in Marburg enthüllt, die sowohl an die Morde als auch an die Verantwortung der Universität und der Justiz für den Freispruch der Täter erinnert.

Die Gedenkveranstaltung zum 3. April 2025 stellt damit nicht nur einen Akt des Erinnerns dar, sondern auch einen wichtigen Schritt zur Auseinandersetzung mit der Geschichte und den verantwortlichen Akteuren, die zur gewaltsamen und tragischen Wende in der politischen Landschaft der Weimarer Republik beitrugen. Das Erbe der Morde von Mechterstädt bleibt bis heute ein bewegendes Kapitel in der deutschen Geschichte und zeigt, wie weit die gesellschaftlichen Spannungen in der Weimarer Republik reichten.

Referenz 1
www.uni-marburg.de
Referenz 2
de.wikipedia.org
Referenz 3
www.mdr.de
Quellen gesamt
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