
Die Verbraucherzentrale Hamburg hat kürzlich „Granini Trinkgenuss Orange“ zur „Mogelpackung des Jahres“ gewählt. Ein erschreckendes Beispiel für die Praktiken im Lebensmittelmarkt zeigt sich darin, dass der Anteil an Orangensaft in der Flasche halbiert und durch Zuckerwasser ersetzt wurde, ohne dass sich der Preis änderte. Das Etikett blieb nahezu unverändert, was einen klaren Hinweis auf die neue Zusammensetzung vermissen lässt. Diese irreführende Praxis stellt nicht nur eine Verletzung des Verbraucherschutzes dar, sondern wirft auch ein schlechtes Licht auf den Hersteller Eckes-Granini.
Die Umfrage der Verbraucherzentrale zeigte mit über 32.000 Teilnehmenden, dass Verbraucher zunehmend über solche Machenschaften verärgert sind. Nach den schweren Ernteausfällen und Pflanzenkrankheiten, die den Preis für Orangensaftkonzentrat nach oben trieben, bleibt der Endpreis für das Produkt für die Kunden gleich. Dies geschieht laut Armin Valet von der Verbraucherzentrale auf Kosten der Qualität.
Versteckte Preiserhöhungen in der Lebensmittellandschaft
Ein interessantes Phänomen, das dabei beobachtet wird, ist der Begriff „Shrinkflation“, der schrumpfende Verpackungen bei gleichbleibendem Preis beschreibt. Dagegen steht „Skimpflation“, wo die Qualität eines Produkts sinkt, ohne dass der Preis sinkt. Dieses Jahr wurden insgesamt 104 Produkte in der Bundesrepublik Deutschland von versteckten Preiserhöhungen betroffen, während es im folgenden Jahr 67 Produkte waren. Die durchschnittliche Preiserhöhung lag 2023 bei 23,5 Prozent und stieg 2024 auf 31,5 Prozent.
Aber nicht nur „Granini Trinkgenuss Orange“ fiel in die Negativkategorie. Das Tomaten-Gewürzsalz von Lebensbaum sank im Inhalt von 150 auf 80 Gramm, bei einer Preiserhöhung um 150 Prozent. Auch das Eis „Cremissimo Bourbon Vanille“ von Unilever wies eine versteckte Preissteigerung von 44 Prozent auf, als der Inhalt von 1.300 auf 900 Milliliter reduziert wurde.
Gesetzliche Rahmenbedingungen zum Schutz der Verbraucher
Die Verbraucherzentralen fordern dringend strengere gesetzliche Regelungen. Aktuell verwenden Hersteller viele Tricks, um größere Füllmengen vorzutäuschen, etwa durch doppelte Böden oder überdimensionierte Verpackungen mit viel Luft. Laut den Richtlinien des Mess- und Eichgesetzes dürfen in den Verpackungen nicht mehr als 30 Prozent Luft sein. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fördert die Einführung von Warnhinweisen auf Verpackungen, die auf Änderungen in der Zusammensetzung oder der Menge eines Produkts hinweisen.
Die Notwendigkeit strengerer Vorschriften wird auch durch den Anstieg der Verbraucherbeschwerden über Verpackungsgrößen verdeutlicht. Hersteller scheinen oft dazu zu neigen, Zutaten zu reduzieren, ohne die Preise zu senken. Ein Beispiel für solche Mogelpackungen sind auch die Waffelblättchen von der Aldi-Eigenmarke Biscotto, deren Verpackungsgröße halbiert wurde, während der Preis gleichblieb. Aldi führte die gestiegenen Kakaopreise als Begründung an.
Die gesetzlichen Regelungen zum Schutz der Konsumenten müssen überarbeitet werden, um übergroße Verpackungen künftig zu vermeiden. Zum Beispiel könnte ein striktes Verbot von überdimensionalen Verpackungen zur Einsparung von bis zu 1,4 Millionen gefüllten Mülltonnen jährlich führen. Eine Umfrage zeigt, dass Verbraucher bei Verdacht auf Mogelpackungen sich an den Verbraucherzentrale Bundesverband wenden sollten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Mogelpackungen und versteckte Preiserhöhungen zunehmend zur Norm werden, während Verbraucher in ihren Rechten oftmals im Unklaren gelassen werden. Eine klare Aufklärung durch transparente Kennzeichnungen auf der Verpackung, kombiniert mit strengen gesetzlichen Regelungen, könnte eine bessere Orientierung für den Verbraucher bieten und die Qualität von Lebensmitteln sichern.