
Die Deutsche Bahn (DB) hat einen entscheidenden Schritt in Richtung Sanierung und Modernisierung des Schienennetzes unternommen. Am 5. Januar 2025 wurde die Generalsanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt am Main und Mannheim offiziell abgeschlossen. Verkehrsminister Volker Wissing würdigte dieses Projekt als das größte Sanierungs- und Modernisierungsprogramm der letzten Jahrzehnte, nachdem die Bauarbeiten am 15. Juli 2024 begonnen hatten und über fünf Monate andauerten, in denen etwa 800 Mitarbeiter der DB und externen Bauunternehmen an der Infrastruktur arbeiteten. Die Strecke, die rund 70 Kilometer lang ist, wird nun wieder für den Zugverkehr freigegeben, was laut DB-Vorstandschef Richard Lutz die betrieblichen Störungen um bis zu 80 Prozent senken soll. Zudem sind 20 Stationen entlang der Riedbahn modernisiert worden, und die Infrastruktur wurde nahezu komplett erneuert, einschließlich der Gleise, Weichen und Signale, wie Deutsche Bahn berichtet.
Trotz der Fortschritte gibt es besorgniserregende Stimmen. Tyler Bosselman, ein 24-jähriger Lokführer, der Regionalzüge in Süddeutschland steuert, äußert, dass häufige Verspätungen, insbesondere bei den Fernzügen, die Pünktlichkeit der Regionalzüge beeinträchtigen. Diese Problematik spiegelt sich in der Sichtweise des Bundesrechnungshofes wider, der die Deutsche Bahn als „Sanierungsfall“ bezeichnet hat. Deutschland investiert im Vergleich zu anderen Ländern relativ wenig in sein Schienennetz – jährlich nur 115 Euro pro Einwohner. Dies wirft Fragen auf zur langfristigen Finanzierungsstrategie der DB, besonders angesichts der aktuellen politischen Unsicherheiten, die durch den Bruch der Ampelkoalition entstanden sind. Martin Burkert, der Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft EVG, warnte bereits vor fehlenden Haushaltsmitteln für die Generalsanierung.
Ein Mammutprojekt mit Herausforderungen
Der Schienengipfel 2023 in Frankfurt am Main verdeutlichte die Herausforderungen und Prioritäten der zukünftigen Projekte. Wissing bezeichnete den Sanierungsplan als „Mammutprojekt“ und „Kraftakt“. Die Bundesregierung plant, bis 2027 rund 40 Milliarden Euro für die Sanierung bereitzustellen. Von dieser Summe werden 11,5 Milliarden Euro im Haushalt 2024, 12,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds und 3 Milliarden Euro als Eigenbeitrag der Bahn finanziert. Zusätzlich sollen 12,5 Milliarden Euro durch eine Eigenkapitalerhöhung bereitgestellt werden. Die Behörde hat bereits 40 Streckenabschnitte mit einer Gesamtlänge von über 4.000 Kilometern identifiziert, die bis 2030 priorisiert werden sollen.
Die Sanierung der Riedbahn ist Teil eines umfassenden Sanierungsprogramms der Deutschen Bahn, das auch zukünftige Projekte wie Hamburg–Berlin und Emmerich–Oberhausen umfasst. Dabei wird die Einführung des europäischen Zugbeeinflussungssystems ETCS in Stufen ab dem zweiten Quartal 2025 angestrebt. Applaus gab es für das Management des Ersatzverkehrs während der Bauarbeiten; 89 Prozent der Reisenden bewerteten den eingesetzten Busverkehr mit der Schulnote eins oder zwei, was zeigt, dass trotz der Unannehmlichkeiten bei der Schieneninfrastruktur auch positive Rückmeldungen zur Kundenbetreuung eingehen.
Bosselman bleibt optimistisch, dass die finanzielle Unterstützung von Bund und Bahn auch weiterhin gewährleistet ist. Dennoch sieht er, dass die Straße derzeit priorisiert wird, was die Schiene unter Druck setzt. In Hinblick auf seine Zukunft bei der DB plant er, seinen Meister für Bahnverkehr abzuschließen, um eine Führungsrolle zu übernehmen und damit aktiv zur Verbesserung des Schienennetzes beizutragen. Die Erfahrungen und Lehren aus der Sanierung der Riedbahn sollen auch in zukünftige Generalsanierungen einfließen.
Der Weg zur umfassenden Sanierung des Schienennetzes bleibt also voller Herausforderungen, doch die DB und der Bund arbeiten entschlossen an der Verbesserung der Infrastruktur, um den Schienenverkehr zuverlässiger zu gestalten, wie es das Projekt selbst versprach. Auch wenn Bedenken in Bezug auf die Finanzierung bestehen, zeigt die Erneuerung der Riedbahn, dass Fortschritte erzielt werden können. Diese Entwicklungen stehen sinnbildlich für den Druck, dem die Deutsche Bahn unterliegt, um den aktuellen und zukünftigen Ansprüchen ihrer Nutzer gerecht zu werden, wie Focus berichtet.