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Reiseunternehmen Benninghoff aus Wiehl: Nach 60 Jahren Insolvenz!

Das Reiseunternehmen Benninghoff aus Wiehl stellt nach über 60 Jahren Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung an. Knapp 100 Mitarbeiter sind betroffen. Hintergrund sind die Folgen der Corona-Krise.

Das renommierte Reiseunternehmen Benninghoff aus Wiehl hat Ende März 2025 nach über 60 Jahren seinen Geschäftsbetrieb eingestellt. Dies wurde durch das Amtsgericht Köln bestätigt, das ein Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet hat. Die Insolvenz wird von der Geschäftsführung in Eigenverwaltung abgewickelt, was bedeutet, dass diese selbst die Insolvenzverwaltung übernimmt und versucht, die Gläubiger bestmöglich zu bedienen.

Knapp 100 Mitarbeiter stehen nun vor ungewissen Zeiten. Auf der Unternehmenshomepage bedankt sich Benninghoff bei seinen Kunden für die Treue und bietet Informationen zur Rückerstattung bereits gezahlter Reisen an. Kunden sind aufgefordert, ausstehende Zahlungen bei einer bestimmten Versicherung geltend zu machen. Das Unternehmen, das ursprünglich in den 1960er Jahren mit der Schülerbeförderung begann, hat sich seitdem stark gewandelt und sich auf touristische Busreisen in Europa spezialisiert.

Die Gründe für die Insolvenz

Die Ursachen für die Insolvenz von Benninghoff sind vielfältig. Die Auswirkungen der Corona-Krise sind besonders gravierend. Während der Pandemie konnten die Corona-Hilfen nicht für betriebliche Investitionen verwendet werden, was zusammen mit einer überalterten Fahrzeugflotte zu erheblichen finanziellen Belastungen führte. So stiegen die Reparaturkosten des Fuhrparks von 250.000 Euro auf 650.000 Euro, während es allein im Jahr 2024 vier Motorschäden gab, die die Rückholung von Reisenden zur Folge hatten. Ein Vorfall in Frankreich, bei dem ein Bus ausbrannte, glücklicherweise ohne Verletzte, verstärkte die Probleme zusätzlich.

In den besten Jahren reisten jährlich bis zu 40.000 Kunden mit Benninghoff. Der Umsatz des Unternehmens wurde im Jahr 2024 auf ein Rekordniveau von 5,5 Millionen Euro gesteigert. Dennoch führte eine generell schlechte Zahlungsmoral der Kunden zu einem Verlust von 170.000 Euro, was sich ebenfalls negativ auf die finanzielle Stabilität des Unternehmens auswirkte. Die Enttäuschung von Klaus-Peter Zimmer, der das Unternehmen 2009 von Klaus Benninghoff übernahm, wird durch die Ablehnung eines Überbrückungskredits durch seine Bank noch verstärkt.

Ein Blick auf die Reisebranche

Die Insolvenz von Benninghoff ist kein Einzelfall. Die gesamte Reisebranche in Deutschland sieht sich erheblichen Herausforderungen gegenüber. Eine Analyse von CRIFBÜRGEL zeigt, dass das Insolvenzrisiko in diesem Sektor seit der Pandemie stark angestiegen ist. Im Vergleich zu Februar 2020 sind die Zahlen der insolvenzgefährdeten Reisebüros und -veranstalter um 31,3 Prozent gestiegen. Aktuell gelten 8 Prozent, also 1.810 Unternehmen, als insolvenzgefährdet. Diese Situation hat die Branche in eine schwerwiegende Krise gestürzt, die auch im kommenden Jahr anhalten könnte.

Im Jahr 2020 stieg die Zahl der Insolvenzen in der Reisebranche von 83 im Jahr 2019 auf 150, was die dramatischen Auswirkungen der Pandemie veranschaulicht. Laut Prognosen könnte im Jahr 2021 jedes zehnte Unternehmen aus der Reisebranche insolvenzgefährdet sein. Besonders betroffen sind die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Bremen und Schleswig-Holstein, wo die Risiken um bis zu 47 Prozent gestiegen sind.

Die Situation wird sich voraussichtlich weiter zuspitzen, da die negativen Gerichtsmerkmale, wie Mahnverfahren und Inkasso-Überwachungen, weiterhin zunehmen. Die Branche muss sich nun anpassen und innovative Lösungen finden, um die Herausforderungen derartiger Krisen in der Zukunft besser bewältigen zu können.

Die Schließung des Unternehmens Benninghoff ist ein schmerzhaftes Beispiel für die weitreichenden Auswirkungen, die die Corona-Pandemie auf lokale Unternehmen und die gesamte Reisebranche hat.

Weitere Informationen zu den Insolvenzen in der Reisebranche finden Sie in den Berichten von ksta.de, insolvenz-portal.de und presseportal.de.

Referenz 1
www.ksta.de
Referenz 2
app.insolvenz-portal.de
Referenz 3
www.presseportal.de
Quellen gesamt
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