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Im Schatten der Stasi: Gerd Weber und der Traum vom Fußball bei Köln

Ein talentierter DDR-Fußballer wurde 1981 während seiner Flucht vor der Stasi verhaftet. Der Podcast „True Crime Köln“ beleuchtet diese dramatische Geschichte und ihre Konsequenzen im Fußball.

Im Jahr 1981 wurde Gerd Weber, ein talentierter Fußballer des FC Dynamo Dresden, zu einem zentralen Beispiel für die dramatischen Repressalien des DDR-Regimes. Der Vorwurf? Geplante Republikflucht. In der Hotellobby in Enschede stand ein Mann, der Weber anbot, beim 1. FC Köln zu spielen, inklusive einer Handprämie von 100.000 D-Mark. Dies geschah während eines Europapokalspiels in den Niederlanden. Allerdings wurde Weber verhaftet, als er sich entschloss, nach Ost-Berlin zurückzukehren, anstatt in das wartende Auto zu steigen. Diese Ereignisse sind im Podcast „True Crime Köln“ thematisiert, der Webers und der Geschichten seiner Mitspieler beleuchtet, darunter Peter Kotte und Matthias Müller, die ebenfalls in diesen Skandal verwickelt waren. Diese Details entstammen den Recherchen von ksta.de.

Weber und seine Mitspieler wurden aufgrund von „landesverräterischer Agententätigkeit“ und „versuchten ungesetzlichen Grenzübertritt“ verurteilt und ins Gefängnis gebracht. Im Gegensatz zu Weber, der nie wieder in der DDR Fußball spielen durfte, wurden Kotte und Müller nach fünf Tagen verhört und aus dem Gefängnis entlassen, jedoch von Dynamo ausgeschlossen. Ihre Karrieren waren ruiniert, sie durften nur noch bis zur Bezirksliga, der dritthöchsten Spielklasse, spielen. Die beiden äußern sich 40 Jahre später und schildern, wie sie trotz der Einschnitte in ihrem Leben weiterlebten, wie berichtet von saechsische.de.

Die Rolle der Stasi

Der Fall von Gerd Weber ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Überwachungspraktiken des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in der DDR. Die Stasi hatte ein umfassendes Netzwerk von hauptamtlichen und inoffiziellen Mitarbeitern, die für die Überwachung, Verhaftung und Einschüchterung von Personen verantwortlich waren. Hauptamtliche Mitarbeiter waren oft Angehörige der Polizei oder des Militärs und genossen zahlreiche Privilegien. Inoffizielle Mitarbeiter, die von der Stasi angeworben wurden, konnten sich diesen Repressalien oft nicht entziehen. Im Jahr 1989 waren über 91.000 hauptamtliche sowie etwa 180.000 inoffizielle Mitarbeiter im MfS registriert, wie mdr.de zusammenfasst.

Weber selbst erzählt in einem Dokumentarfilm namens „Stasi FC“, der Ende März 2023 veröffentlicht wurde, seine Sicht auf die Ereignisse, die zu seiner Verhaftung führten. Damit wird klar, wie groß der Druck und die Gefahr für Sportler in der DDR waren, die sich außerhalb des erdrückenden staatlichen Apparats verlagern wollten. Ihre Geschichten sind nicht nur persönliche Schicksale, sondern auch Teil der Geschichte eines untergehenden Regimes, das alles tat, um seine Bürger zu kontrollieren und zu unterdrücken.

Fluchtgeschichten von Kollegen

Im Kontrast zu Webers tragischer Geschichte steht die von Falko Götz, einem anderen Fußballprofi, der 1983 erfolgreich aus der DDR floh. Er und sein Kollege Dirk Schlegel entkamen einem Stasi-Aufpasser in Belgrad und konnten ihre Karrieren fortsetzen, zunächst bei Bayer Leverkusen und später ebenfalls beim 1. FC Köln, wo Götz Vizemeister und Pokalsieger wurde. Götz reflektiert über seinen „jugendlichen Leichtsinn“ und die Risiken, die er einging, um die Freiheit zu erlangen, während Weber’s Karriere unwiderruflich endete.

Die Geschichten dieser Spieler sind nicht nur faszinierende Einblicke in den Sport, sondern auch in die engen Verstrickungen von Politik und Alltag im ehemaligen Ostdeutschland. Der Podcast „True Crime Köln“ hat mittlerweile die Marke von zwei Millionen Downloads und Streams überschritten und bleibt ein wertvolles Medium zur Aufarbeitung dieser schwierigen Themen.

Referenz 1
www.ksta.de
Referenz 2
www.saechsische.de
Referenz 3
www.mdr.de
Quellen gesamt
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