
Die Schließung eines beliebten Bolzplatzes in Köln sorgt für Unmut bei Kindern, Jugendlichen und Politikern. Anfang Januar 2024 entdeckten Gleb und seine Freunde, dass der Bolzplatz an der Grund- und Hauptschule Baadenberger Straße in Ehrenfeld plötzlich verschlossen war. Diese Entscheidung folgte auf die überraschende Beendigung des Projekts „Offene Schulhöfe“, das die Stadtverwaltung Ende 2023 ohne Vorwarnung auslaufen ließ. Begründet wurde die Schließung mit „derzeit nicht zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln“, ein Schritt, der nicht nur in der Nachbarschaft auf heftige Kritik stößt. Stadtsprecherin bestätigte, dass das Modellprojekt am 19. Dezember 2024 in ganz Köln beendet wurde.
Das Projekt „Offene Schulhöfe“ wurde im Oktober 2021 ins Leben gerufen, um nach Schulschluss Spiel-, Sport- und Bewegungsräume für die Nachbarschaft zu schaffen. In jedem der neun Kölner Stadtbezirke wurde ein Schulhof geöffnet, was mit einer jährlichen Förderung von 500.000 Euro durch die Stadt einherging. Zu diesen Kosten zählten auch zusätzliche Reinigungs- und Schließdienste. Kölner Politiker, darunter der Bezirksbürgermeister Volker Spelthann (Grüne) und Oliver Seeck (SPD), bezeichneten die Ausgaben als „völlig absurd“ und kritisieren die Kürzung des Sportetats von 36 auf 20 Millionen Euro.
Kritik an der Schließung von Freiräumen
Die gesamte Situation wird als Rückschritt empfunden, vor allem angesichts des Mangels an verfügbaren Spielflächen in Köln. Mit nur 1,2 Quadratmetern Spielfläche pro Einwohner liegt Köln deutlich unter dem Richtwert von 2 Quadratmetern. Sportvereine stehen ebenfalls vor Herausforderungen, da sie immer weniger Angebote bereitstellen können. Für 2024 stehen lediglich 22 Millionen Euro für die Sanierung von Sportstätten zur Verfügung, was die Sorgen um die zukünftige Sportförderung verstärkt.
Eltern und Bezirksbürgermeister sind aktiv auf der Suche nach Lösungen, um die Schulhöfe wieder zugänglich zu machen. Ehrenamtliche Unterstützung für die Schließ- und Reinigungsdienste wurde in Aussicht gestellt. Auch die positive Zwischenevaluation des Projekts durch die Deutsche Sporthochschule Köln könnte ein Argument für eine Wiedereröffnung liefern. In Anbetracht der Bedeutung kinder- und jugendgerechter Freiräume, die für das gesunde Aufwachsen entscheidend sind, könnte die Politik gezwungen sein, die Bedürfnisse der jüngeren Generation ernst zu nehmen.
Die Rolle der Freiraumplanung
Fachleute heben hervor, dass kinder- und jugendgerechte Freiräume ein strategisches Handlungsfeld für die Zukunftssicherung von Städten darstellen. Insbesondere Freiräume wie Wiesen, Baulücken und Schulgelände sind für Kinder von großer Bedeutung. Sie unterstützen nicht nur die physische, sondern auch die soziale Entwicklung. Eine Vielzahl an Studien betont die Wichtigkeit qualitätsvoller, vernetzter Freiräume für das Aufwachsen junger Menschen. Auch die Integration von Kindern und Jugendlichen in die Freiraumplanung wird als unerlässlich erachtet.
Die Schließung der Schulhöfe könnte daher nicht nur als Verlust von Freizeitmöglichkeiten wahrgenommen werden, sondern auch als ein Zeichen dafür, dass die Bedürfnisse jüngerer Kölner Bürger in der Stadtpolitik nicht ausreichend berücksichtigt werden. Ein Dialog zwischen den Generationen sowie die Förderung eines kinderfreundlichen Stadtklimas sind notwendig, um die Lebensqualität aller Einwohner zu steigern. Die Entwicklung neuer Instrumente und das Bereitstellen von Ressourcen für die Mitbestimmung von Kindern sind entscheidende Schritte, um die bestehenden Herausforderungen anzugehen.
In Anbetracht dieser Herausforderungen und der gegenwärtigen Diskussionen bleibt abzuwarten, wie die Stadt Köln auf die anhaltende Kritik reagieren wird. Die Rückkehr zu offenen Schulhöfen könnte ein wichtiges Zeichen setzen, das die Bürger in ihrer Vielfalt und Dynamik einbezieht.
Lesen Sie mehr über die Entwicklung in Köln und wie die Stadt die Bedürfnisse ihrer jüngeren Bürger in den kommenden Entscheidungen berücksichtigen könnte in den ausführlichen Berichten der Kölner Stadt-Anzeiger, der Stadt Köln und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.