
Rolf Dieter Brinkmann, geboren am 16. April 1940 in Vechta, hinterließ als deutscher Dichter, Schriftsteller und Herausgeber ein bedeutendes literarisches Erbe. Sein Schaffen, das stark von der anglo-amerikanischen Lyrik und Popmusik geprägt wurde, erlangte in den 1960er Jahren großen Einfluss und bleibt bis heute relevant. Am 5. April 2025 wird, im Vorfeld einer festlichen Woche zu Ehren Brinkmanns, die neue Biografie „Ich gehe in ein anderes Blau“ von Michel Töteberg und Alexandra Vasa veröffentlicht, die sein facettenreiches Leben und Werk beleuchtet. Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, dass diese Biografie am 9. April im Literaturhaus Köln vorgestellt wird.
Die literarische Laufbahn Brinkmanns begann in der Schulzeit, in der er die Schule als „Schreckensort“ empfand, abgesehen von seinem Deutschlehrer, der eine positive Ausnahme darstellte. Trotz eines abgebrochenen Gymnasiums und einer Buchhandelslehre in Essen, wo er seine spätere Frau Maleen Kramer kennengelernt hatte, entschied sich Brinkmann für die Schriftstellerei. Sein Talent wurde 1962 von Dieter Wellershoff entdeckt, der ihm eine Chance bei Kiepenheuer & Witsch gab.
Einweg von der Underground-Szene zur Kultfigur
Brinkmanns Gedichtband „Was fraglich ist wofür“ (1967) gilt als erster deutscher Gedichtband mit Pop-Tendenz. Mit „Keiner weiß mehr“ (1968) schuf er den ersten genuin entwickelten deutschen „Pop-Roman“. weitere Höhepunkte seines Schaffens sind der Underground-Leseband „Acid“ (1969), durch den er zur Kultfigur der Kölner Szene wurde, sowie der posthum erschienene Band „Frank Xerox’ wüster Traum und andere Kollaborationen“. In seinen Werken spiegelt sich seine persönliche Galligkeit und sein kritischer Blick auf die Gesellschaft wider.
Brinkmanns Lebensweg führte ihn mehrfach nach London, wo er seine Auseinandersetzung mit der amerikanischen Underground-Lyrik vertiefte. Sein Aufenthalt in Rom (1972) und als Gastdozent in Austin, Texas (1974) erweiterten seinen literarischen Horizont. Dennoch litt er unter finanziellen Problemen und einer Schreibblockade. Kurz vor seinem Tod veröffentlichte er dennoch den Gedichtband „Westwärts 1 & 2“, der ihm posthum den Petrarca-Preis einbrachte.
Ein tragisches Ende und Würdigungen
Brinkmann starb am 23. April 1975 in London, nachdem er von einem Auto angefahren wurde. Sein Tod, zwei Monate vor der Verleihung des Petrarca Preises im Juni 1975 auf dem Mont Ventoux, wird in diesem Kontext als tragisches Ende einer bedeutenden Künstlerexistenz angesehen. Der unvergängliche Eindruck von Brinkmann wird durch Peter Handkes Worte untermalt: „Ein Ich, das querliegt zur Welt.“
Mit Entwicklungen wie dem Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln, das seit 1990 existiert, und dem 2023 gegründeten Kulturstiftung Rolf Dieter Brinkmann in Vechta, sowie der Arbeitsstelle an der Universität Vechta, wird sein Werk und Erbe weiterhin gewürdigt. Veranstaltungen und Ausstellungen zu seinem Leben, wie die Dauerausstellung in der Universitätsbibliothek Vechta aus dem Jahr 2022, verdeutlichen den anhaltenden Einfluss, den Brinkmann auf nachfolgende Generationen von Lyrikern ausgeübt hat.