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Liberalismus am Abgrund? Politische Umwälzungen weltweit im Fokus!

2025 bringt weltweit politische Rückschläge für den Liberalismus. Von Regierungswechseln in Österreich und Kanada bis zur zunehmenden Macht illiberaler Regime: Ein umfassender Blick auf die aktuellen Entwicklungen.

Im Jahr 2025 steht der politische Liberalismus vor erheblichen Herausforderungen, die in verschiedenen Ländern zu Rückschlägen führen. So beauftragte in Österreich Bundeskanzler Alexander Van der Bellen Herbert Kickl von der FPÖ mit der Regierungsbildung. In Kanada kündigte Premierminister Justin Trudeau seinen Rücktritt an, während Donald Trump die Präsidentschaft der USA übernahm und der politischen Diskussion einen neuen Kurs gab, indem er den Liberalismus mit kulturellem Extremismus in Verbindung brachte. Dieser Trend hin zu illiberalen Regimen zeigt sich global und hat dazu geführt, dass etwa 45 % der Weltbevölkerung zwar in Demokratien lebt, in 50 Staaten jedoch innere Konflikte und rechtsstaatliche Defizite bestehen. Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel warnt vor solchen Entwicklungen und betont, dass der Liberalismus nicht als beendet erklärt werden sollte. Der Liberalismus, so Merkel, hat eine lange philosophische Tradition, die von Denkern wie John Locke bis hin zu modernen Philosophen reicht.

Elif Özmen, eine bekannte Philosophie-Professorin, bezeichnet den Liberalismus trotz seiner Mängel als die beste unter den schlechten Alternativen. Sie fordert einen „wehrhaften Liberalismus“, der dazu in der Lage ist, die Werte der Demokratie zu verteidigen. Hierbei sieht Merkel jedoch die Notwendigkeit, rote Linien zu definieren, die eine Verteidigung der liberalen Demokratie rechtfertigen. Einen weiteren kritischen Punkt spricht Philip Manow an; er kritisiert die „Konstitutionalisierung“ der Demokratie, die politische Entscheidungen an Gerichte und Behörden delegiert und somit wichtige politische Prozesse entindividualisiert.

Kritik am Liberalismus und Aufstieg des Kommunitarismus

Die Probleme des Liberalismus werden zunehmend von verschiedenen Denkrichtungen thematisiert, insbesondere durch den philosophischen Kommunitarismus, der in den letzten Jahren in Deutschland an Bedeutung gewonnen hat. Diese Denkrichtung formuliert eine fundamentale Kritik an liberalen Gesellschaften, die als von Individualisierung, Pluralisierung und einem damit verbundenen Werteverlust geprägt wahrgenommen werden. Insbesondere wird die Entfremdung des Menschen von seinen Mitmenschen und der Natur durch den Individualismus kritisiert. Der Begriff „Kommunitarismus“ bezeichnet die Missachtung gemeinschaftlicher Kontexte, die in liberaler politischer Philosophie häufig vernachlässigt werden. Die Diskussion über diese Thematik hat in Deutschland in den letzten fünf Jahren zugenommen, wird jedoch auch stark medial und politisch besetzt.

Der Kommunitarismus selbst kann in zwei Hauptgruppen unterteilt werden: den philosophischen und den praktischen Kommunitarismus. Der philosophische Kommunitarismus fokussiert sich auf Gemeinschaft und Gemeinsinn und reicht zurück bis zu protestantischen Einwanderergemeinschaften in den USA. Der praktische Kommunitarismus hingegen ist eine soziale Bewegung, die darauf abzielt, kleine Gemeinschaften mit gemeinsamen Werten zu bilden, um verbindliche Entscheidungen zu treffen.

Rolle der Gemeinschaft und Herausforderungen

Kritiker des Liberalismus, darunter Philosophen wie Michael Sandel und Charles Taylor, argumentieren, dass der Liberalismus zu einer Ethik-Neutralität des Staates führt und ein Mangel an gemeinschaftlichem Engagement entsteht. In diesem Zusammenhang wird die positive Freiheit als Voraussetzung für demokratische Teilhabe betont, die für die Identitätsbildung entscheidend ist. Alasdair MacIntyre bezeichnet die Aufklärung gar als gescheitertes Projekt, da sie die gemeinschaftlichen Maßstäbe verloren habe. Zudem zeigt Robert N. Bellah auf, dass der Individualismus in den USA einen Rückzug in die Privatheit zur Folge hatte und das öffentliche Engagement leiden ließ.

Um den Herausforderungen des Liberalismus zu begegnen, werden verschiedene Reformvorschläge diskutiert. Diese reichen von der Stärkung plebiszitärer Elemente über die Demokratisierung der Wirtschaft bis hin zur Förderung gemeinschaftlicher Strukturen. Der Kommunitarismus wird zunehmend als Ergänzung zum Liberalismus betrachtet, wenn auch nicht als vollständiger Ersatz. So zeigt sich, dass der Gedanke an gemeinschaftliche Werte und Solidarität unter Fremden ein wesentliches Element für die künftige Gestaltung von Demokratien sein könnte.

Insgesamt wird deutlich, dass der politische Liberalismus und seine Konzepte einer tiefgreifenden Überprüfung bedürfen, wenn sie in der aktuellen politischen Landschaft weiterhin bestehen sollen. Der Dialog zwischen Liberalismus und Kommunitarismus könnte Schlüssel zu einer neuen Politik der Solidarität und Integration sein.

Referenz 1
www.remszeitung.de
Referenz 2
www.bpb.de
Referenz 3
www.bpb.de
Quellen gesamt
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