
In den letzten Jahren verzeichnet die organisierte Kriminalität in Deutschland eine beunruhigende Entwicklung: Immer mehr Täter sind im Alter zwischen 20 und 25 Jahren. Dies geht aus einem aktuellen Bericht von Oliver Huth, dem NRW-Landesvorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), hervor. Huth äußert seine Besorgnis über die zunehmende Jugendlichkeit der in der Drogenkriminalität aktiven Täter und hebt hervor, dass sie oft brutal vorgehen und schnell in die Hierarchien ihrer Banden aufsteigen möchten. Die Situation wird durch die Kölner Explosionsserie des vergangenen Halbjahres untermauert, bei der vermutet wird, dass Auseinandersetzungen unter Drogenbanden eine zentrale Rolle spielten.
Die Kölner Staatsanwaltschaft berichtet über das Verschwinden von schätzungsweise 300 Kilogramm Cannabis, was die Härte des Wettbewerbs und die Höhe der Einsätze in dieser Branche verdeutlicht. Huth warnt, dass die Täter bereit sind, hohe Risiken einzugehen, um sich einen Platz in dieser erschreckend brutalen Welt zu sichern. Diese Dynamik fordert eine angepasste Bekämpfungsstrategie, um die organisierte Kriminalität effektiv zu bekämpfen.
Die Strukturen der organisierten Kriminalität
Die organisierte Kriminalität wird in Deutschland durch die planmäßige Begehung von Straftaten mit erheblicher Bedeutung charakterisiert. Diese Straftaten sind oft langfristig angelegt und werden arbeitsteilig von mehr als zwei Personen ausgeführt. Ein Großteil der Aktivitäten konzentriert sich auf den Rauschgift- und Waffenhandel sowie auf Wirtschafts- und Eigentumskriminalität, wie das Bundeskriminalamt (BKA) in seinem jährlichen Bundeslagebild dokumentiert.
Für das Jahr 2022 wurden insgesamt 639 Ermittlungsverfahren im Bereich der organisierten Kriminalität registriert. Etwa 295 dieser Verfahren, was rund 46 % ausmacht, wurden dem Rauschgifthandel zugeordnet. Die Erhebungen zeigen, dass es rund 341.000 erfasste Rauschgiftdelikte gab, wobei Handelsdelikte mit Cannabis und Marihuana am häufigsten vorkamen. Dabei waren 2.761 tatverdächtige Personen deutscher Staatsangehörigkeit und rund 4.500 Personen mit anderer Staatsangehörigkeit beteiligt.
Einflüsse und Herausforderungen
Ein großer Teil der Täter nutzt mittlerweile moderne Kommunikationsmittel, insbesondere verschlüsselte Telekommunikation, um ihre Straftaten zu planen und durchzuführen. Dies macht die Ermittlungen für die Polizei umso komplizierter. Zudem ist die Einflussnahme auf Politik, Medien, öffentliche Verwaltung und Justiz ein besorgniserregendes Phänomen der organisierten Kriminalität.
Besonders auffällig ist die zunehmende Rolle der sogenannten Clankriminalität, bei der kriminelle Organisationen in abgeschotteten gesellschaftlichen Gruppen agieren. Vor allem türkische Staatsangehörige sind im Drogen- und Rauschgifthandel aktiv, während italienische Mafia-Gruppen ebenfalls in diesem Bereich tätig sind. Die Statistiken zu organisierter Kriminalität in Deutschland belegen die vielschichtigen und international vernetzten Strukturen dieser Bedrohung.
In Anbetracht der besorgniserregenden Entwicklung der organisierten Kriminalität, vor allem in Bezug auf die immer jüngeren Täter, fordert Huth eine frühzeitige Verfolgung von Jugendbanden durch verdeckte Ermittlungsmethoden. Dies könnte ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung dieser vielfältigen und wachsenden Herausforderung sein.