
Hunderttausende Menschen haben in mehreren Städten Spaniens demonstriert, um gegen die dramatisch steigenden Wohnkosten zu protestieren. Die Proteste, die heute, am 5. April 2025, stattfanden, sind eine direkte Reaktion auf die anhaltende Krise des Wohnraums im Land. Die Spanier sehen sich mit einer massiven Erhöhung sowohl der Mietpreise als auch der Hauspreise konfrontiert. Laut Berichten von Al Jazeera haben sich die durchschnittlichen Mieten in den letzten zehn Jahren verdoppelt, während die Hauspreise um 44 % gestiegen sind.
Diese Preisanstiege sind besonders besorgniserregend, da sie das Lohnwachstum übersteigen. Das Angebot an Mietwohnungen hat sich seit der Pandemie halbiert, was insbesondere in einer Zeit, in der Spanien das schnellste Wirtschaftswachstum in Europa verzeichnet, alarmierend ist. Trotz dieser positiven wirtschaftlichen Indikatoren fehlt es an bezahlbarem Wohnraum.
Die Wurzel des Problems
Die traditionell starke Verbindung der Spanier zu Eigenheimen hat zur geringen Verfügbarkeit von öffentlichen Mietwohnungen geführt. Spanien weist mit weniger als 2 % eine der niedrigsten Ratios an öffentlichen Mietwohnungen in der OECD auf. Zum Vergleich: In Frankreich sind es 14 %, im Vereinigten Königreich 16 % und in den Niederlanden sogar 34 %.
Die Linke Regierung in Spanien kämpft darum, Tourismus anzuziehen und gleichzeitig die Mieten für die Bürger erschwinglich zu halten. Diese Herausforderung wird durch die zunehmende Zahl der Kurzzeitvermietungen in großen Städten und an Küstenregionen weiter verschärft. Viele Anwohner berichten von nicht verlängerten Mietverträgen durch Eigentümer, was die Lage für Mieter weiter verschärft.
Der europäische Kontext
Die Probleme Spaniens im Wohnungssektor stehen nicht allein. Auch in anderen europäischen Ländern steigen die Mietpreise, während sich die Wohnungspreise stabilisieren. Laut der Catella Untersuchung, die 58 Städte in 16 Ländern analysiert, sind die Mieten in 53 dieser Städte gestiegen, mit einem ungewichteten Durchschnitt von 19,70 €/m², was einem Anstieg von 4,1 % gegenüber dem ersten Quartal 2024 entspricht.
In den deutschen Top-7-Städten, darunter München und Frankfurt, sind die Mieten ebenfalls gestiegen, mit den höchsten Preisen in München (24,10 €/m²). Der Rückgang der Bautätigkeit ist ein weiteres europäisches Problem, das die Situation weiterhin erschwert. In Spanien gibt es jedoch positive Anzeichen: Die Bautätigkeit hat um 27 % zugenommen, aber aktuell werden jährlich nur etwa 120.000 neue Wohnungen gebaut, was nur ein Sechstel des Niveaus vor der Finanzkrise 2008 darstellt.