
Am 18. September 2023 ereignete sich ein tragisches Unglück während einer Schwimmstunde an einer Grundschule in Konstanz. Ein siebenjähriger Zweitklässler nahm an seinem ersten Schwimmunterricht teil und ertrank tragischerweise, obwohl der Vorfall durchaus vermeidbar gewesen wäre. Der Junge trieb mindestens eine Minute leblos im Wasser, bevor er gerettet und reanimiert wurde, jedoch verstarb er einige Tage später im Krankenhaus. Der Fall bringt ernsthafte Fragen zur Sicherheit im Schwimmunterricht auf, insbesondere hinsichtlich der Verantwortung von Lehrkräften.
Das Amtsgericht Konstanz sprach kürzlich ein Urteil gegen zwei Pädagoginnen, die für den Vorfall verantwortlich gemacht wurden. Die 44-jährige Lehrerin und die 28-jährige Referendarin wurden wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Die Richter wiesen darauf hin, dass die Sicherheitsvorkehrungen während des Unterrichts unzureichend waren. Insbesondere wurde kritisiert, dass 21 Schüler gleichzeitig ins Wasser gelassen wurden, ohne dass eine besonders aufmerksame Aufsicht gewährleistet war, was sowohl Schwimmer als auch Nichtschwimmer maßgeblich gefährdete. Das Gericht stellte fest, dass eine Gruppenbildung zur Sicherheit erforderlich gewesen wäre, um solche Vorfälle zu verhindern.
Schadenersatz und Strafen
Im Rahmen des Urteils erhielt die Lehrerin eine Bewährungsstrafe von neun Monaten sowie die Auflage, 10.000 Euro Schmerzensgeld an die Eltern des verstorbenen Jungen zu zahlen. Die Referendarin bekam eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten und muss mindestens 7.000 Euro Schmerzensgeld leisten. Beide Strafen sind für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Es ist zu beachten, dass das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, da die Anwälte der beiden Pädagoginnen bereits angekündigt haben, Berufung einzulegen.
Die Lehrerin hatte während des Prozesses behauptet, sie habe die Kinder im Blick gehabt. Die Verteidigung forderte einen Freispruch, doch die Beweislage und die Richtersichtweise legten eine andere Realität offen. Der Vorfall verdeutlicht, wie wichtig angemessene Sicherheitsvorkehrungen im Schwimmunterricht sind.
Das Problem der Schwimmfähigkeit bei Kindern
Schwimmunfälle wie der in Konstanz sind leider keine Seltenheit. Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung sind viele Kinder nicht in der Lage, sicher zu schwimmen, was das Risiko von Unfällen im Wasser erhöht. Sicheres Schwimmen sollte nach der Grundschulzeit ein grundlegendes Können sein, doch viele Kinder haben nicht ausreichend Gelegenheit dazu.
Die Initiativen zur Schwimmausbildung in Schulen zielen darauf ab, den sicheren Aufenthalt und das Bewegen im Wasser zu gewährleisten. Diese Fähigkeiten sind im Lehrplan der Länder verankert und gelten als zentrale Lebenskompetenz. Eltern spielen eine entscheidende Rolle dabei, den positiven Umgang mit Wasser frühzeitig zu fördern und sicherzustellen, dass ihre Kinder regelmäßig Schwimmbäder besuchen.
Um das Bewusstsein für Sicherheit im Wasser zu schärfen, wurden verschiedene Materialien und Handreichungen für Lehrer entwickelt. Diese sollen helfen, eine sichere Umgebung für den Schwimmunterricht zu gewährleisten und Schülern die wichtigen Kompetenzen zum Schutz im und am Wasser zu vermitteln. In der aktuellen Debatte um den tragischen Vorfall in Konstanz zeigt sich der dringende Bedarf an verbesserten Standards und klaren Richtlinien für Schwimmunterricht an Schulen.