
Die deutsche Talkshow-Landschaft hat einen markanten Wechsel erlebt. Mit dem Ende ihrer Polit-Talkshow „Anne Will“ im Jahr 2023 hat die Moderatorin nach 16 Jahren eine Ära abgeschlossen. Wie ksta.de berichtet, nimmt sie nun eine neue Richtung ein, indem sie einen Podcast mit dem Titel „Politik mit Anne Will“ betreibt.
Will äußert, dass sie sich nach dem Ende der Talkshow weniger Druck ausgesetzt fühlt und es genießt, an den Sonntagabenden nicht arbeiten zu müssen. Ihre Erfahrungen während der Zeit als Moderatorin waren sowohl belohnend, als auch fordernd: „Vielleicht viereinhalb Millionen, fünf Millionen Zuschauer“ haben ihre Sendung verfolgt, was für sie ego-stärkend war, jedoch auch erheblichen Druck erzeugte.
Nachhaltiger Neustart und neue Projekte
Die Entscheidung, ihre Talkshow zu beenden, fiel nach 553 Ausgaben. Anne Will erklärte, dass sie sich den Druck nicht länger aussetzen möchte und in Zukunft vertiefende Interviews im Podcast-Format führen will. Laut schwaebische.de wird Wills Vertrag nicht verlängert, da sie plant, sich auf neue Projekte zu konzentrieren. Ein Neustart ist für 2024 angestrebt.
Die ARD-Talkshow „Anne Will“ wurde erstmals am 16. September 2007 ausgestrahlt, anfangs mittwochs und ab 2016 sonntags. Während ihrer Laufzeit hat Will maßgeblich zur Gestaltung des politischen Talkformats im ersten Programm beigetragen. ARD-Programmdirektorin Christine Strobl hebt die prägende Rolle von Will in den vergangenen 16 Jahren hervor, was auch NDR-Intendant Joachim Knuth in seinen Äußerungen betont.
Trotz des Endes dieser Talkshow bleibt die Frage, welches Format zukünftig die Sonntagabende im Ersten prägen wird. Eine Nachfolge für die Sendung ist bisher nicht bekannt, da NDR und ARD in Gesprächen sind, um eine geeignete Lösung zu finden. Für das Sonntagabend-Format folgt die Sendung direkt nach dem beliebten „Tatort“, was den Druck und die Herausforderungen für die nächsten Moderatoren erhöhen wird.
Die Talkshow-Tradition in Deutschland
Anne Wills Talkshow ist nicht die einzige, die im deutschen Fernsehen großen Einfluss hatte. Sie reiht sich in eine lange Geschichte von politischen und gesellschaftlichen Talkformaten ein. So gehört beispielsweise die Talkshow „Maischberger“ zu den bekanntesten politischen Diskussionsrunden, und „Hart aber fair“ wird seit 2001 im Ersten ausgestrahlt.
Die Talkshow „3 nach 9“ gilt als die älteste noch laufende deutsche Talkshow und wird seit 1979 produziert. Im Vergleich zu den vielfältigen Formaten, die Deutschland zu bieten hat, stechen Anne Wills Beiträge in ihrer Schärfe und Aktualität hervor, die sie in den letzten Jahren immer wieder unter Beweis stellte, wie taschenhirn.de dokumentiert.
Mit dem Übergang zu ihrem Podcast bleibt abzuwarten, wie sich Wills Stimme im politischen Diskurs verändern wird. Ihre Fähigkeit, spannende und relevante Themen aufzugreifen, wird sicherlich auch weiterhin ein fester Bestandteil ihrer künftigen Projekte sein.