
In Italien hat die Ermordung zweier junger Frauen durch ihre ehemaligen Partner die Debatte über Femizid erneut entfacht. Vor wenigen Tagen wurde die 22-jährige Studentin Sara C. in Messina am helllichten Tag erstochen. Ihr Ex-Partner Stefano A., 27 Jahre alt, floh zunächst, gestand jedoch später den Mord. Sara C. hatte zuvor Bedenken bezüglich seines Verhaltens geäußert und angegeben, dass sie weiterhin belästigt werde, jedoch keine Anzeige erstattet hatte. Sie erlag einer tiefen Stichwunde im Hals und starb kurz nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus. Nur einen Tag später wurde die Leiche der 22-jährigen Ilaria S. nahe Rom gefunden. Sie war am 25. März als vermisst gemeldet worden und wies mehrere Messerstiche auf. Ihr Ex-Partner Mark S. hatte mit ihrem Smartphone Nachrichten gesendet, um den Anschein zu erwecken, sie sei noch am Leben. Auch er gestand die Tat und gab an, im Affekt gehandelt zu haben. Die brutalen Taten führten zu spontanen Kundgebungen in Messina, Rom und anderen Städten, bei denen ein besserer Schutz für Frauen gefordert wurde, wie faz.net berichtet.
Die Geschehnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die italienische Regierung einen Gesetzesentwurf verabschiedet hat, der Femizid als eigenständiges Verbrechen einführt. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete den Gesetzesentwurf als einen bedeutenden Schritt im Kampf gegen Frauenmorde. Ab sofort werden Femizide als Tötungsdelikte definiert, die aus Hass gegen Frauen begangen werden und mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft werden. Dies stellt einen klaren Unterschied zu anderen Tötungsdelikten dar, die in Italien mit mindestens 21 Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden, sofern erschwerende Umstände vorliegen. Die neuen Regelungen legen auch fest, dass die Strafen für spezifisch gegen Frauen gerichtete Delikte wie sexuelle Gewalt, Drohungen, Stalking und Diskriminierungen verschärft werden, insbesondere im familiären Umfeld. Laut rnd.de kündigte die Regierung außerdem Schulungskurse für Richter und Staatsanwälte an, um den Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt zu verbessern.
Gesellschaftliches Bewusstsein und Trends
Trotz der erschreckenden Vorfälle gibt es Anzeichen für einen Rückgang der Femizide in Italien. Im Jahr 2024 wurden laut einem Bericht der Zentraldirektion der Kriminalpolizei insgesamt 113 Frauenmorde registriert, 99 davon im familiären oder partnerschaftlichen Kontext. Diese Zahlen gehören zu den niedrigsten des letzten Jahrzehnts. Besonders bemerkenswert ist, dass die Zahl der Tötungen durch Partner oder Ex-Partner mit 61 Fällen ebenfalls gesenkt werden konnte. Wesentliche Faktoren für diesen Rückgang sind das gestiegene Bewusstsein in der Gesellschaft sowie die verstärkten präventiven Maßnahmen der Sicherheitskräfte, wie suedtirolnews.it anmerkt. Die Zahl der polizeilichen Verwarnungen stieg 2024 um 94 Prozent, während die Wohnungsverweise für Gewalttäter um beeindruckende 224 Prozent zunahmen.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen die Herausforderungen und den Handlungsbedarf im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Die Verabschiedung des Femizid-Gesetzes und die damit verbundenen Maßnahmen zeigen, dass die italienische Regierung entschlossen ist, gegen diese gesellschaftliche Plage vorzugehen. Dennoch bleibt abzuwarten, ob die aktuellen Entwicklungen ausreichen, um das Klima der Angst für Frauen nachhaltig zu verändern und weitere gewaltsame Übergriffe zu verhindern.