
In Nordrhein-Westfalen hat die analoge Fotografie ein neues Kapitel aufgeschlagen, indem sie kürzlich als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurde. Diese Entwicklung erregt nicht nur das Interesse von Künstlern und Fotografien, sondern auch bei Kulturschaffenden, die den Wert traditioneller Techniken in einer von Digitalität geprägten Welt vertreten. Im Projektbüro des geplanten Deutschen Fotoinstituts am Eiskellerberg in Düsseldorf wird das mit einer Ausstellung zur klassischen Landschaftsfotografie gefeiert, die unter der Leitung von Gabriele Conrath-Scholl von der SK Stiftung Köln-Bonn und dem belgischen Künstler Jean-Paul Deridder steht.
Die Ausstellung zeigt Portfolio-Arbeiten aus sechs verschiedenen Ländern. Unter den gezeigten Arbeiten finden sich beeindruckende Fotografien des Künstlers Gerry Johansson, dessen Schwarzweiß-Aufnahmen aus Kalifornien von 1983 vor allem wenig ansprechende Motive wie eine Abraumhalde in Los Angeles festhalten. Johansson nutzt große Kontaktabzüge, die gestochen scharfe positive Bilder erzeugen. Auch andere Fotografen wie Mark Ruwedel und Peter Downsbrough präsentieren Arbeiten, die starke Kontraste und besondere Blickwinkel auf wenig spektakuläre Landschaften bieten.
Vielfalt der analogen Fotografie
Besonders hervorzuheben sind die Arbeiten von Francesco Neri und Laurenz Berges. Neri dokumentiert Bretterbuden, die durch eine robuste Bewohnerin symbolisch die Bescheidenheit verkörpern. Berges führt in seinen Innenaufnahmen die Spur seiner Lehrer Bernd und Hilla Becher weiter und zeigt die schlichte Schönheit der Einbrunger Mühle. Jem Southam unternimmt in seiner Serie „The Pond at Upton Pyne“ eine fotografische Reise, in der er zyklische Veränderungen in Devon, England, dokumentiert. Seine Bilder aus einer stillgelegten Manganmine thematisieren, wie sich die Natur verändert.
Ein weiterer Beitrag von John Spinks erforscht ein Waldstück in Oxfordshire, das eine politische Geschichte erzählt, die mit dem Tod von Dr. David Kelly verbunden ist. Kelly, ein UN-Inspekteur, war bekannt für seine öffentlichen Behauptungen, die britische Regierung habe Daten manipuliert, um den Irak-Krieg zu rechtfertigen. Spinks‘ Fotos vermitteln eine emotionale, romantische Anziehungskraft und verfassen eine poetische Verbindung zur politischen Geschichte.
Die Anerkennung der analogen Fotografie als immaterielles Kulturerbe in Deutschland ist jedoch mehr als nur eine Auszeichnung. Die Kulturministerkonferenz der Länder und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien haben nun insgesamt 18 lebendige Traditionen in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Diese Entwicklung spiegelt das Engagement wider, das Wissen und die Techniken traditioneller Formen der Kunst und des Handwerks zu bewahren. Dabei bleibt die analoge Fotografie, die chemische Verfahren zur Erstellung von Abbildungen nutzt, eine stark gefragte Ausdrucksform in der heutigen Zeit.
Die Bedeutung des Kulturerbes
Barbara Klepsch, die Präsidentin der Kulturministerkonferenz, betont, wie wichtig das Immaterielle Kulturerbe für die kulturelle Identität und den sozialen Zusammenhalt ist. Claudia Roth, Kulturstaatsministerin, hebt hervor, dass solche Traditionen die kulturelle Vielfalt und regionale Besonderheiten Deutschlands repräsentieren. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission, ergänzt, dass das immaterielle Kulturerbe eine verbindende Rolle in der Gesellschaft spielt, was durch die Aufnahme sogenannter Traditionen unterstichen wird.
Mit der Wiederbelebung der analogen Fotografie und dem Vorrat an kreativen und inklusiven Kulturformen in Deutschland wird auch die Grundlage für internationale Vorschläge für die UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes gelegt. Deutschland ist seit 2013 Vertragspartei des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes. Gegenwärtig verfügt das Bundesweite Verzeichnis über 168 Einträge, zu denen die analoge Fotografie nun dazugehört. Solche Aufnahmen sind nicht nur kostbar, sie sind Grundsteine der kulturellen Identität und zeugen von der Vielfalt lebendiger Traditionen in Deutschland.
Die Anerkennung der analogen Fotografie als immaterielles Kulturerbe wird somit mit der Hoffnung verknüpft, dass das Wissen über diese faszinierende Technik nicht gänzlich verschwindet, während die digitale Welt weiterhin Einzug in unseren Alltag hält. Festivals wie analogueNOW! in Berlin und der Austausch über soziale Medien zeigen, dass der Wunsch nach einer Rückkehr zu traditionellen Methoden stark bleibt.
Für weiterführende Informationen zur Ausstellung und der analogen Fotografie können Interessierte die Artikel auf RP Online, UNESCO und FotoMagazin besuchen.