
Die größte Bildungsmesse Europas, die Didacta, eröffnet heute in Stuttgart ihre Tore. Bis zum 15. Februar 2025 werden dort mehrere Zehntausend Besucher erwartet. Klares Leitthema der Messe ist „Demokratie braucht Bildung – Bildung braucht Demokratie“. Trotz des positiven Rahmens wird die Veranstaltung von massiver Kritik überschattet, nicht zuletzt aufgrund der Anwesenheit der Alternative für Deutschland (AfD), die einen Stand auf der Messe hat. Dies hat zu breiten Protesten geführt, insbesondere von Lehrer- und Bildungsverbänden, Schüler- und Elternvertretern sowie christlichen Hilfsorganisationen.
Die Kritiker, zu denen auch der Zentralrat der Juden zählt, argumentieren, dass eine Partei, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird, auf einer Bildungsmesse nichts verloren hat. Verschiedene Organisationen, darunter „Brot für die Welt“, Kindernothilfe und Misereor, fordern eine Überprüfung der Zulassungsbedingungen für Aussteller und sehen die AfD als Bedrohung für zentrale demokratische Werte wie Vielfalt und Toleranz. Die Messeleitung betont hingegen, dass es keine rechtliche Handhabe für einen Ausschluss der AfD gebe. Gemäß den Zulassungskriterien dürfen politische Institutionen, einschließlich Parteien, an der Didacta teilnehmen.
Proteste und politische Reaktionen
Ein Bündnis von Verlagen, Verbänden und Bildungsinitiativen hat tägliche Protestaktionen angekündigt, um gegen die Präsenz der AfD zu demonstrieren. Die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) reagierte zurückhaltend auf Forderungen zur Überprüfung der Zulassungsbedingungen. Sie betont, dass Messen keine politikfreien Zonen seien und dass die Veranstalter in der Verantwortung stehen, über die Zulassung von Ausstellern zu entscheiden.
Dr. Nina Bürklin vom AVE Institut kritisiert die Entscheidung der Veranstalter, der AfD eine Plattform zu bieten. Sie fordert, die Verantwortung zu übernehmen und sich klar gegen Extremismus auszusprechen. Laut Bürklin könnten die Teilnahmebedingungen der Messe sogar einen Ausschluss der AfD rechtfertigen. Ihre Aussagen spiegeln die weit verbreitete Besorgnis über die politische Landkarte Deutschlands wider, wo die AfD zunehmend als Bedrohung für eine pluralistische Gesellschaft wahrgenommen wird.
Die Didacta im Fokus
Die Didacta findet vom 11. bis 15. Februar statt und ist nicht nur eine bedeutende Plattform für Bildungsanbieter, sondern auch ein Spiegel für gesellschaftliche Entwicklungen. In Fachforen wird zudem über die Auswirkungen von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz auf Schüler und Lehrkräfte diskutiert. In diesem Kontext zeigt sich die Spannung zwischen dem Anspruch an Bildung und den aktuellen politischen Herausforderungen.
Die Präsenz der AfD hat über die Messe hinaus für Schock und Bestürzung in der deutschen Bildungslandschaft gesorgt. Die Veranstalter stehen in der Kritik, Verantwortung zu übernehmen und den Dialog über Werte zu suchen, die die Basis für eine demokratische Gesellschaft bilden. Der Protest gegen die AfD könnte somit zu einem entscheidenden Moment in der Auseinandersetzung um die Zukunft der Bildungslandschaft und die Rolle von Extremismus darin werden.
Für weitere Informationen zu den Protesten und der Kontroverse um die Didacta, lesen Sie die Berichterstattung von SWR, Deutschlandfunk und Ethik heute.