
Verbraucher:innen entscheiden sich zunehmend für Eigenmarken und Handelsmarken, während die Preise für Lebensmittel hoch bleiben. Trotz einer sinkenden Inflation, die jedoch nicht in den Supermärkten zu spüren zu sein scheint, haben Marktchecks von Verbraucherzentralen in Niedersachsen und Hamburg ergeben, dass Eigenmarken bei Preis und Qualität stark konkurrieren. In einer umfassenden Untersuchung von 86 Produkten aus verschiedenen Supermärkten und Discountern wurden die Preis-Leistungs-Verhältnisse von Markenprodukten, Eigenmarken und Bio-Eigenmarken miteinander verglichen. Das Ergebnis hat das Potenzial, das Kaufverhalten der Konsument:innen nachhaltig zu verändern. Ruhr24 berichtet, dass die Produkte in acht Kategorien wie Zucker und Joghurt eingeteilt wurden.
Die Analyse hat gezeigt, dass Markenprodukte oftmals mehr als doppelt so teuer sind wie ihre Eigenmarken-Pendants. Zum Beispiel kosten Kölln Haferflocken und Ehrmann Erdbeerjoghurt erheblich mehr als die entsprechenden Eigenmarken. In einigen Fällen beträgt der Preisunterschied sogar das Dreifache, wie beim Vitalis Früchtemüsli. Auch Bio-Eigenmarken überzeugen durch günstigere Preise und bessere Zutaten, mit weniger Schadstoffen und mehr Fruchtgehalt in Joghurt und Konfitüren.Die Verbraucherzentrale NRW hebt hervor, dass Eigenmarken eine zunehmend attraktive Option darstellen, da sie eine hohe Qualität zu vergleichsweise niedrigen Preisen bieten.
Marktentwicklung von Eigenmarken
Eigenmarken haben in den letzten Jahren enorm an Beliebtheit gewonnen. Laut einer Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH glauben 74 Prozent der Befragten, dass Eigenmarken qualitativ gleichwertig zu Herstellermarken sind. Zudem sind 72 Prozent der Meinung, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Eigenmarken besser ist. Zwischen 2020 und 2023 sind die Lebensmittelpreise um mehr als 30 Prozent gestiegen. In Anbetracht dieser Entwicklungen achten Verbraucher zunehmend auf Preise und Rabatte, was zu einem Anstieg des Umsatzanteils von Eigenmarken führt.ZDF berichtet, dass der Anteil der über Sonderangebote verkauften Eigenmarken-Produkte von 16 Prozent auf knapp 23 Prozent gestiegen ist.
Es ist kein Geheimnis, dass die Handelsketten in den letzten Jahren ihre Eigenmarken-Strategien ausgeweitet haben, um den gestiegenen Anforderungen der Konsument:innen gerecht zu werden. Im Jahr 2022 betrug der Umsatz der Handelsmarken rund 74 Milliarden Euro, was mehr als eine Verdopplung seit dem Jahr 2000 darstellt. Die großen Handelskonzerne wie Edeka, Rewe und Aldi erhöhen somit nicht nur ihren Marktanteil, sondern auch ihre Unabhängigkeit von klassischen Markenprodukten. Eigenmarken haben mittlerweile einen Marktanteil von über 40 Prozent im Lebensmittelsortiment erreicht.
Auswirkungen der Teuerung
Die Teuerung seit Sommer 2021 hat dazu geführt, dass Handelsmarken signifikante Preisvorteile gegenüber Markenprodukten bieten. Marktchecks aus dem März und Mai 2023 zeigen, dass Handelsmarken in den meisten untersuchten Geschäften durchweg günstiger sind. Allerdings sind die Preise für Eigenmarken seit Herbst 2022 um etwa 19 Prozent gestiegen, was mehr ist als bei vielen Markenprodukten. Diese Entwicklung beleuchtet die Herausforderungen, mit denen die Handelsketten konfrontiert sind, jedoch schaffen sie es sowohl im Preis als auch in der Qualität für die Verbraucher attraktiv zu bleiben.
Insgesamt ist der Trend hin zu Eigenmarken unübersehbar. Die Verbraucher schätzen die günstigen Preise und die verfügbare Qualität. Der veränderte Markt und das wachsende Angebot an Eigenmarken zeugen von einem allgemeinen Umdenken in der Lebensmittelindustrie, das nicht nur aus ökonomischen, sondern auch aus qualitativen Überlegungen resultiert.