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Kamelfluch! Gesetz in Rajasthan gefährdet bald die letzte Herde

Der Rückgang der Kamelpopulation in Rajasthan ist alarmierend. Ein Gesetz sollte sie schützen, wirkt jedoch kontraproduktiv. Erfahren Sie, wie Kultur und Tradition durch diese Maßnahmen bedroht sind.

Der Rückgang der Kamelpopulation in Indien ist eine alarmierende Realität, die vor allem die Region Rajasthan betrifft. Historisch gesehen waren Kamele ein wichtiger Teil des Lebens in dieser Wüste, jedoch ist die Anzahl der Kamele drastisch gesunken. Jeetu Singh, ein 65-jähriger Kameltreiber aus Jaisalmer, berichtet von einem Rückgang seiner Herde von über 200 auf lediglich 25 Tiere. Diese Entwicklung spiegelt sich in der gesamten Region wider, wo die Kamelpopulation von etwa 420.000 im Jahr 2007 auf nur noch 210.000 in 2019 gefallen ist – ein Rückgang von 35 % binnen sieben Jahren, wie Al Jazeera berichtet.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Kamele früher nicht nur als Nutztiere, sondern auch als Teil kultureller Traditionen betrachtet wurden. Sie wurden gepflegt, geschmückt und waren ein Zeichen des Wohlstands. Die Ursachen für den Rückgang sind vielschichtig: Moderne Technologien wie Traktoren ersetzen vor allem die Arbeit, die früher von Kamelen erledigt wurde, während die zunehmende Urbanisierung und der Verlust an Weideland das Futterangebot verringern.

Die Auswirkungen des Kamelgesetzes

Eine zentrale Rolle im Rückgang der Kamelpopulation spielt das im Jahr 2015 eingeführte Rajasthan Camel Act. Dieses Gesetz verbietet den Transport, die illegale Haltung und die Schlachtung von Kamelen. Bei Verstößen drohen Strafen zwischen 3.000 und 20.000 Rupien. Dieser Gesetzesrahmen hat den Markt für Kamele effektiv abgeschafft und führte zu einem Preisverfall von 40.000-80.000 Rupien auf 500-1.000 Rupien. Käufer sind aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen abgeschreckt, insbesondere innerhalb der muslimischen Gemeinschaften. Die Situation wird durch einen Anstieg von Gewaltvorfällen gegen Muslime und Dalits im Zusammenhang mit Tierhaltung verstärkt. Maneka Gandhi, eine ehemalige Ministerin, behauptet, das Gesetz habe keinen positiven Einfluss auf die Anzahl der Kamele, während andere Stimmen darauf hinweisen, dass es die Züchter erheblich geschädigt hat.India Today hebt hervor, dass eine Kabinettsunterkommission Empfehlungen zur Verbesserung der Lage formuliert hat, um die bestehenden Regelungen zu lockern.

Diese Empfehlungen beinhalten unter anderem, dass Strafen und Einschränkungen nur für die Schlachtung von Kamelen gelten und der Transport für Verkaufszwecke wieder erlaubt werden sollte. Die Regierung unter Ashok Gehlot zeigt sich offen für solche Änderungen, um die kritische Lage der Kamele zu verbessern.

Die Rolle der Kamele in der Zukunft

Ein weiterer Faktor im Überlebenskampf der Kamele könnte die Wiederbelebung ihres wirtschaftlichen Wertes durch Kamelmilch sein. Im Moment ist der Verkauf von Kamelmilch die einzige Einkommensquelle für viele Familien, darunter auch die von Bhanwarlal Chaudhary, der im Malari-Dorf lebt. Er ermutigt seine Kinder, zur Schule zu gehen, um ein besseres Leben fernab der traditionellen Tierhaltung zu führen. Kamelmilch gewinnt zunehmend an Bedeutung, da sie als gesundes Superfood gilt. Laut Ernährungswissenschaftlerin Dharini Krishnan ist Kamelmilch zuckerarm und reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Ihre laktosefreie Eigenschaft macht sie zu einer wertvollen Alternative zur Kuhmilch, was die Nachfrage steigert. Dennoch stehen die Kamelzüchter vor Herausforderungen, insbesondere in der Logistik und der Verarbeitung, die kostspielig sind, wie National Geographic anmerkt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kombination von seuchenbedingtem Rückgang, gesetzlichen Regelungen und der Rückgang des Kaufinteresses die Kamele in Indien in eine kritische Lage gebracht hat. Sollten die gegenwärtigen Trends anhalten, besteht die realistische Gefahr, dass Kamele innerhalb eines Jahrzehnts in Indien aussterben, was nicht nur die Tierhaltung, sondern auch die Kultur der Region nachhaltig beeinflussen würde.

Referenz 1
www.aljazeera.com
Referenz 2
www.indiatoday.in
Referenz 3
www.nationalgeographic.de
Quellen gesamt
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