
In Zeiten zunehmender Überfischung der Weltmeere gerät die nachhaltige Fischproduktion immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit. Am 7. Januar 2025 berichtet die Technische Universität Berlin über ein wegweisendes Forschungsprojekt, das sich mit der Entwicklung nachhaltiger Alternativen zu Fischmehl und -öl beschäftigt. Ziel ist es, die aquakulturelle Produktion durch die Verwendung pflanzlicher Rohstoffe, Bakterien und Algen zu verbessern. Bereits jetzt wird jährlich jeder fünfte gefangene Wildfisch zu Fischöl oder Fischmehl verarbeitet, was die Bestände weiter gefährdet.
Die Bedeutung von Fischen in der menschlichen Ernährung ist unbestritten. Sie sind reich an Omega-3-Fettsäuren wie DHA, die für die Gesundheit von großer Relevanz sind. Daher ist die Forschung um Stefan Junne an der TU Berlin von besonderem Interesse. Das Forschungsteam untersucht die Möglichkeit, heterotrophe Mikroalgen einzusetzen, die in der Lage sind, DHA zu synthetisieren. Diese Mikroalgen benötigen ein Substrat, um die Fettsäuren zu erzeugen, wobei das Team mit Stallstroh experimentiert. Dieses kann durch mikrobielle Hydrolyse in einem 200-Liter-Bioreaktor mit Bazillen und Clostridien verarbeitet werden.
Innovative Ansätze in der Fischfutterproduktion
Die mikrobielle Hydrolyse führt zur Zersetzung des Strohs und produziert kurzkettige Carboxylsäuren, die als Nahrung für die Mikroalgen dienen. So entsteht ein Ersatz für Fischmehl und -öle, der eine DHA-Konzentration von circa 20 Prozent aufweist. Dieser innovative Ansatz könnte nachhaltig zur Reduzierung des Drucks auf die Meeresbestände beitragen, während die erste Erntemenge von knapp vier Tonnen Fischfutterersatz bereits erfolgreich in Fütterungsversuchen getestet wurde. Das Projekt trägt den Namen „FENA – Fischmehl und -ölersatz für eine nachhaltige Aquakultur“.
In einer von Fraunhofer IVV durchgeführten Studie wird der Anstieg der Fischproduktion in Aquakulturen thematisiert. Da der Bedarf an nachhaltiger Produktion aufgrund von Überfischung wächst, wird nach Alternativen gesucht, um die gängigen Zutaten im Fischfutter zu ersetzen. Herkömmliches Fischfutter besteht größtenteils aus Fischöl und Fischmehl, deren Verfügbarkeit rückläufig ist. Die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen, insbesondere Ölpresskuchen aus der Ölsaatenverarbeitung, zeigt vielversprechende Ergebnisse.
Herausforderungen und Ausblicke
Die Herausforderung besteht darin, die Verdaulichkeit und Akzeptanz des neuen Fischfutters zu erhöhen. Hierzu sollen antinutritive Bestandteile im Presskuchen durch Prozesse vermindert und appetenzsteigernde Rohstoffe wie Muschel- oder Krillmehl hinzugefügt werden. Diese Anpassungen sind notwendig, um eine hohe Wachstumsrate bei den Fischen zu erzielen. Das Forschungsprojekt Örüfimi hat bereits konkrete Fischfuttermittel getestet und plant, die Qualität des Futters weiter zu steigern.
Die Global Seafood Alliance weist darauf hin, dass nachhaltige Aquakultur als kontrollierter Prozess beginnt, der für den menschlichen Verzehr von Wasserorganismen vorangetrieben wird. Bis 2030 sollen schätzungsweise 62 % der für den menschlichen Verzehr produzierten Meeresfrüchte aus nachhaltigen Quellen stammen, was die Dynamik dieser Branche weiter erhöhen dürfte. Der Übergang zu nachhaltigeren Praktiken ist sowohl für die Umwelt als auch für die zukünftige Nahrungsmittelversorgung entscheidend.
Zusammengefasst sieht die Forschung sowohl in Berlin als auch in den Projekten des Fraunhofer IVV eine klare Richtung, um die Herausforderungen der Fischproduktion in der Aquakultur nachhaltig anzugehen. Diese Fortschritte könnten einen Weg aufzeigen, um die marinen Ressourcen zu schonen und gleichzeitig die Nachfrage der wachsenden Weltbevölkerung nach tierischem Protein zu bedienen. Die Interesse der Wirtschaft an der praktischen Überführung dieser Bioprozesse in die Industrie bleibt jedoch abzuwarten.