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Sächsisch im Fokus: Wie Dialekte unsere Identität prägen!

Prof. Dr. Peter Porsch erörtert die Bedeutung des Sächsischen, dessen Wahrnehmung und historische Kontexte. Einblicke in Dialektologie und aktuelle Forschungen in Sachsen.

In der sprachwissenschaftlichen Diskussion nimmt das Sächsische eine besondere Stellung ein. Professor Dr. Peter Porsch, ein gebürtiger Wiener und ehemaliger Professor für Dialektologie und Soziolinguistik an der Universität Leipzig, beleuchtet die Komplexität und die Wahrnehmung dieses Dialekts. Trotz seiner langjährigen Verbindung zu Sachsen und seinen zahlreichen Publikationen in diesem Bereich, sieht Porsch die Sprache nicht als „schön“ an, insbesondere im Vergleich zu anderen deutschen Dialekten wie Bairisch. Er beschreibt das Sächsische als „gut verständliches Schriftdeutsch, das komisch ausgesprochen wird“, und räumt ein, dass die Beliebtheit des Sächsischen stark von historischen Kontexten, etwa der DDR-Zeit, beeinflusst ist. MDR berichtet.

Porsch äußert sich skeptisch über die Vorstellung von „besseren“ Sprachen, da er überzeugt ist, dass jede Sprache für ihren Sprecher die bessere Sprache ist. Die Ilse-Bähnert-Stiftung, die seit 2008 das „Sächsische Wort des Jahres“ auszeichnet, hat 2024 „Hudelei“ ausgewählt. Porsch hingegen hält es nicht für ein typisches sächsisches Wort und zieht das Wort „Diggschn“ vor. Dies verdeutlicht die Wichtigkeit, sächsische Wörter zu identifizieren und zu fördern, um das regionale Identitätsbewusstsein zu stärken.

Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Dialekten

Porsch stellt außerdem fest, dass Dialekte, einschließlich Sächsisch, häufig sozial stigmatisiert werden. Diese Stigmatisierung ist nach der Wende besonders ausgeprägt, als der Kontakt zu westdeutschen Sprechern wiederhergestellt wurde. Die damit verbundenen Vorurteile wollen viele sächsisch Sprechende hinter sich lassen, um stolz auf ihr Sprechen zu sein. Doch Porsch glaubt nicht, dass sich die negative Wahrnehmung des Sächsischen in der Gesellschaft signifikant ändern wird.

Ein Projekt an der TU Dresden untersucht daher die aktuelle Sprachsituation in Sachsen. Geleitet von Prof. Hünecke und Dr. Evelyn Koch, wird seit 2015 das Projekt „Mundarten und Regionalsprache in Sachsen“ fortgeführt. Ziel ist es, die Varietätensituation zu beleuchten und Vorurteile zu entkräften. Wichtige Fragestellungen beziehen sich auf die Unterschiede im kulturgeschichtlichen Wissen über die Sprache sowie die Unterscheidbarkeit von 21 Mundarten, die in den 1960er Jahren kartiert wurden.

Die Rolle der Akademie und neuen Publikationen

Im Rahmen der Dialektforschung gewinnt auch die neu gegründete „Zeitschrift für Sprachvariation und Soziolinguistik“ an Bedeutung. Diese Plattform veröffentlicht Beiträge zur Variations- und Soziolinguistik und öffnet sich für theoretische sowie methodische Ansätze. Besondere Beachtung finden empirische Studien zu Dialekten und Sprachvariationen, die für die wissenschaftliche Diskussion von Relevanz sind.

Professor Porsch befürchtet, dass Dialekte in Zeiten der Globalisierung aussterben könnten, und spricht die Entwicklung in Richtung Regiolekte an. Sein persönlicher Wunsch, das Sächsische als alte Hochsprache zu erhalten, spiegelt sich in der laufenden Forschung wider und zeigt die Herausforderungen, die die Dialektpflege in der heutigen Zeit mit sich bringt.

Über die Entwicklungen hin zu einem tiefergehenden Verständnis von Dialekten und deren gesellschaftlicher Stellung wird weiterhin geforscht. Das Sächsische wird somit nicht nur als ein regionaler Dialekt, sondern auch als wichtiger Teil der deutschen Sprachlandschaft betrachtet.

Referenz 1
www.mdr.de
Referenz 2
tu-dresden.de
Referenz 3
igdd.org
Quellen gesamt
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